Die Umweltdiskussion treibt derzeit seltsame Blüten.
Passagiere der AUA werden bald einen freiwilligen Ticketaufschlag von ein paar Euro leisten dürfen, mit dem dann nicht näher genannte Umweltprojekte finanziert werden. Das beruhigt das Gewissen und macht sich gut in CSR (Corporate Social Responsibility)-Broschüren und Nachhaltigkeitsberichten.
Ob diese Form des „Ablasshandels“ irgendwie tatsächlich der Umwelt zugute kommt, ist eine andere Frage. Wenn die AUA das wirklich wollte, müsste sie das Geld eher selbst einstreifen – und damit neue, energieeffiziente Triebwerke für ihre älteren Jets anschaffen. Denn moderne Passagierjets schaffen auf der Langstrecke bereits Verbrauchswerte, die pro Passagier schon verdammt nahe an die von Kleinwagen heran kommen. Aber so läuft die Umweltdiskussion eben: PR kommt vor Umwelteffekt. Das erzeugt dann oft recht drollige Blüten: In der Vorwoche hat der internationale Spendensammelkonzern Greenpeace in Wien für ein Verbot von Pseudo-Geländewagen (SUVs) in der Stadt demonstrieren lassen. Die seien nämlich richtige CO2-Schleudern.
Dass die Idee schon vorher von der grünen Lichtgestalt Eva Glawischnig vorgetragen worden ist, macht sie um nichts besser: Sie würde nämlich bedeuten, dass künftig beispielsweise SUV-Modelle wie der Honda CR-V (CO2-Ausstoß 173 g/km) oder der Toyota RAV Diesel (175 g/km) am Stadtrand parken müssten. Einen Bentley Azure (465 g/km) oder einen Porsche Carrera GT (429 g/km) dürften Playboys aber weiterhin als „Abschleppwagen“ für die Innenstadt-Disco verwenden.
Gut durchdacht. Und man kann gegen solche Hirnrissigkeiten nicht einmal wirklich anargumentieren. Denn sie sind Mainstream in einer beinahe schon religiös-dogmatisch geführten Diskussion.
Wir nehmen also zur Kenntnis, dass für den Grad der Umweltschädlichkeit eines Autos die Karossierieform und der Raddurchmesser maßgebend sind. Und dass die Bahn immer das energieeffizienteste Verkehrsmittel ist, nehmen wir als Faktum. Und lassen uns dabei nicht von der Tatsache stören, dass es nur wenige umweltfeindlichere Fortbewegungsarten gibt als einen schlecht ausgelasteten Zug auf einer Nebenbahn, wo eine Diesellok schon einmal 100 Tonnen bewegen muss, um fünf Leute von A nach B zu bringen.
Und eine ernsthafte Umweltdiskussion im Verkehr ersparen wir uns vorderhand. Hat ja keinen Sinn, so lange die Stunde der Gaukler schlägt.
josef.urschitz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2008)