Frauen sollen keine Stöckelschuhe tragen, weil sie damit nicht weiterkommen?
Ich bin verwirrt. Ich verstehe da etwas nicht. Und das, was ich nicht verstehe, hat mit Stöckelschuhen zu tun. Konkret mit einem einzelnen Stöckelschuh, der noch dazu durchgestrichen ist. Ein verbotener Stöckelschuh sozusagen.
Aber von Anfang an: Die „Presse“ hat zum Internationalen Frauentag zwei Extraseiten gestaltet. Sehr informative Seiten übrigens. Damit aber nicht genug, wurde auch noch ein eigenes Logo kreiert, sozusagen das offizielle „Die Presse“-Frauentag-Logo, und das besteht eben aus einem durchgestrichenen Stöckelschuh.
Aber was soll das heißen? Stöckelschuhe verboten? Frauen mit High Heels verboten? Frauen mit Stöckeln sollen das eher nicht lesen? Oder – raffinierter – Frauen sollen keine Stöckelschuhe tragen, weil sie sonst auf der Karriereleiter nicht weiterkommen?
Es gibt natürlich noch eine andere Möglichkeit der Deutung. In dieser Interpretation steht der Stöckelschuh für die Frau an sich. Frau wäre in diesem Fall gleich Stöckelschuh – sozusagen als Gegensatz zum Herrenschuh. Aber hätten sich da nicht eher Pumps angeboten?
Ich habe nichts gegen Stöckelschuhe. Ich habe selber welche getragen. Stöckelschuhe sind nicht bequem. Aber sie sind auch nicht besonders unbequem. Stöckelschuhe haben mir geholfen, meine Überbeine an den Fersen loszuwerden. Und bevor ich einen Hallux valgus entwickelt habe, bin ich eh wieder umgestiegen. Mit Stöckeln versinkt man so leicht in der Sandkiste.
Wie auch immer: Ich bin aufgewachsen in der Überzeugung, dass es für meine Karriere egal ist, ob ich eine Frau bin oder ein Mann, dass es egal ist, ob ich Lippenstift trage oder Bart, dass ich in High Heels durch die Gegend stöckeln und trotzdem kompetent sein darf. Das glaubten wir damals alle und die jungen Frauen heute glauben es immer noch. Dagegen sprechen erstens die Zahlen, zweitens der Augenschein, drittens eine Studie der WU: Die bildete aus ähnlich begabten, ähnlich ehrgeizigen, ähnlich akademisch erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen virtuelle „Zwillinge“ und schaute, wie es ihnen karrieremäßig erging. Fazit: Nach vier Jahren ging es bergab. Für die Frauen. Auch ohne Kind.
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass es ohne Quote nicht geht.
bettina.eibel-steiner@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2008)