Totenwaschungen werden schon durchgeführt, für Vollausbau fehlt noch Geld. Auf dem knapp 34.500 Quadratmeter großen Grundstück im 23. Wiener Gemeindebezirk sollen etwa 2800 Gräber Platz finden.
WIEN. Die unendliche Geschichte um Österreichs ersten Islamischen Friedhof geht weiter. Noch vergangenen Herbst hatte Anas Schakfeh, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, verkündet, dass das Areal in Liesing im Frühjahr feierlich eröffnet werde. Doch davon ist man noch weit entfernt.
„Es fehlen noch die letzten Amtswege für die Betriebsgenehmigung“, sagt Omar Al-Rawi, Integrationsbeauftragter der Glaubensgemeinschaft und Koordinator des Projekts. Was noch schwerer wiegt: Es fehlt an Geld. Laut Al-Rawi werde derzeit noch um Spenden geworben, unter anderem sei man schon beim Botschafter von Qatar vorstellig geworden. Mit einer letzten Spendentranche sollen die Arbeiten bezahlt werden, die noch zur Benutzbarkeit der Parzelle fehlen.
Verstorbene werden überführt
Immerhin, zumindest ein Teil des Friedhofs hat mittlerweile seinen Betrieb aufgenommen: Die rituellen Waschungen der Verstorbenen finden seit einiger Zeit bereits in Liesing statt – mit einer Teilbetriebsgenehmigung. Die war wegen eines Umbaus im Krematorium Simmering, wo die Waschungen bisher stattgefunden hatten, notwendig geworden. Zur Bestattung werden die Leichname allerdings wieder zu anderen Friedhöfen – vor allem in die Islamische Abteilung am Wiener Zentralfriedhof – überführt.
Seit mehr als 20 Jahren laufen die Planungen für den ersten Islamischen Friedhof des Landes, 2001 wurde schließlich das fertige Projekt präsentiert – die Eröffnung war zunächst für 2003 anvisiert worden. Danach sorgten unter anderem archäologische Grabungen, die Insolvenz einer Baufirma und Geldmangel für weitere Verzögerungen. 2006 wurde auf den Rohbau der Besucherhalle ein Brandanschlag verübt, der den Zeitplan noch weiter zurückwarf.
Dementsprechend vorsichtig zeigt sich Al-Rawi mit einem Termin, an dem der Friedhof nun endlich seinen Betrieb aufnehmen kann: „Wir wollen es sehr gerne noch 2008 schaffen“, meint er, „aber wir haben schon ein paar Mal gehofft.“
Neue Verfassung für Muslime
Immerhin zeigt er sich zuversichtlich, dass der Friedhof in Wien noch vor dem Islamischen Friedhof in Vorarlberg seinen Betrieb aufnehmen wird – in Altach liefen die Vorbereitungen weitgehend problemlos und mit breiter Zustimmung aller Parteien ab, noch im Frühjahr soll mit der Errichtung begonnen werden.
Eine andere unendliche Geschichte hat nun ebenfalls ein vorläufiges Ende gefunden: Der Schura-Rat, das gesetzgebende Organ der Islamischen Glaubensgemeinschaft, hat am Wochenende mit großer Mehrheit eine neue Verfassung beschlossen. Lange war darüber diskutiert worden, zahlreiche Entwürfe waren durch die Medien gegeistert.
Der Entwurf, der nun beschlossen wurde, enthält unter anderem einen neuen Wahlmodus – in Zukunft soll in jeder Moschee gewählt werden können, jedes Bundesland wird als eigene Religionsgemeinde geführt. Zudem werden den Türkischstämmigen, die die Mehrheit unter Österreichs Muslimen stellen, deutliche Zugeständnisse gemacht. Der Entwurf geht an das Kultusamt (Bildungsministerium), das die Verfassung absegnen muss.
DAS PROJEKT IN LIESING
In Bau: Der erste Islamische Friedhof Österreichs entsteht in Wien-Liesing zwischen Großmarkt- und Laxenburger Straße, Haböckgasse und Liesingbach. Auf dem knapp 34.500 Quadratmeter großen Grundstück im 23. Wiener Gemeindebezirk sollen etwa 2800 Gräber Platz finden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2008)