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Botschafterinnen der Tracht

(c) Die Presse (Teresa Zoetl)
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Gexi und Tochter Anna Tostmann vergeben heute zum zweiten Mal einen Trachtenpreis an Prominente. Der erste Preisträger hieß: Erwin Pröll.

Zum allerersten „Botschafter der Tracht“ wurde 2006 ausgerechnet Niederösterreichs (Noch immer-)Landeshauptmann Erwin Pröll ernannt. „Weil er vor einigen Jahren die Idee hatte, den alten Niederösterreicher Anzug neu zu entwerfen und sich so um die Tracht verdient gemacht hat“, erzählt Anna Tostmann, nachdem sie sich mit einem kurzen Blick mit ihrer Mutter Gexi verständigt hat.

Auch wenn die Rollen im familiären Trachtenbetrieb längst aufgeteilt sind (Gexi: „Die Anna ist sozusagen schon die Chefin. Sie macht alles und ich keuche nach.“), und die 33-jährige Juristin und einzige Tochter von Gexi Tostmann die Geschäftsführung der Firma übernommen hat, das Reden überlässt sie noch gerne der Mutter. Die würde wiederum so weit gehen, Niederösterreich als „Entwicklungsgebiet“ in Sachen Tracht zu bezeichnen. Und da hat Pröll eben geholfen. Irgendwie.

Auch heute Abend wird er wieder dabei sein, wenn die Magenbitter-Unternehmerin Christiane Underberg und Schauspieler Miguel Herz-Kestranek zu den Trachten-Botschaftern 2008 ernannt werden. Das hat er zumindest versprochen. Noch dazu, wo die Veranstaltung im Palais Niederösterreich stattfindet.

„Die Idee ist von der Mutti gekommen“, sagt Anna Tostmann. Als die noch Präsidentin der „Promotion Tracht“ war, dem Verein der Hersteller und Händler von Trachtenmode. Die hat auch heuer noch die beiden Preisträger gewählt, ab dem nächsten Jahr wird das eine Jury (mit Vertretern aus der Branche und von Kulturinstitutionen) machen. Und wozu gibt es diesen Preis? Steht es so schlecht um das Image der Tracht? Nicht schlecht, aber auch nicht unbedingt rosig. „Es ist eine Lebensaufgabe für mich, dass man die Tracht aus dem politischen Eck wegbringt“, sagt die 65-jährige Gexi Tostmann. Noch heute würden das Dirndl und die Lederhose immer wieder mit braunem Gedankengut in Verbindung gebracht werden. Oder mit „Sound of Music“. „Kitsch und Tracht kann sehr eng beisammen sein.“

Die Auszeichnung „Botschafter der Tracht“ solle auch dagegen wirken – und die vielen verschiedenen Facetten der Tracht herauskehren. Was vermutlich stimmt. Anja Kruse (auch Trachtenbotschafterin) und Christiane Underberg haben – außer ihrer Vorliebe für Dirndln – sonst eher nicht so viele Gemeinsamkeiten.

Die Tostmann-Chefinnen pendeln unter dem Jahr zwischen ihren beiden Standorten in Wien und in Seewalchen am Attersee. In Wien haben sie gerade ihre erste eigene Herrenabteilung eröffnet. Der private Familiensitz liegt in Litzlberg am Attersee, wo „unser holpriges Wegerl ums Haus“ vor 15 Jahren – in Reminiszenz an Gexi Tostmanns Vater – in die „Tostmannstrasse“ umbenannt wurde.

Dass Tochter Anna einmal die Firma übernehmen wird, sei für sie schon lange festgestanden. Wobei die Mutter sagt: „Ich war mir nicht sicher. Ich habe mir immer gedacht, hoffentlich springt sie mir nicht ab, weil sie das Jusstudium sehr genossen hat.“ Die gemeinsame Arbeit funktioniert, laut beiden, reibungslos. Auch wenn die junge Tostmann zugibt, „konservativer“ als die Mutter zu sein, die sich als streitbare 68erin bezeichnet. Die Mutter sieht das ähnlich: „Ja, meine Tochter ist eine Bürgerliche. Das ist ihr Protest.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2008)