Der New Yorker Gouverneur Eliot Spitzer brachte zahlreiche Wall-Street-Größen zu Fall. Nun stolpert er selbst. Die Börsenhändler jubeln: "Es gibt noch einen Gott".
Als Generalstaatsanwalt von New York bekämpfte Eliot Spitzer in den vergangenen Jahren gnadenlos unlautere Geschäftspraktiken und Preisabsprachen von Investmentbanken und Versicherern. Er stellte diese öffentlich an den Pranger, bis die Vorwürfe zumeist in außergerichtlichen Vergleichen in Mrd.-Höhe beigelegt wurden. Das brachte ihm den Spitznamen "Sheriff der Wall Street" ein. "Time" ernannte ihn einst zum "Kreuzritter des Jahres".
Wall-Street-Größen zur Strecke gebracht
Zahlreiche führende Köpfe der US-Finanzbranche brachte Spitzer zur Strecke. Maurice Greenberg, legendärer Chef des größten US-Versicherers AIG musste seinen Hut nehmen, nachdem Spitzer ihm Bilanz-Manipulation vorgeworfen hatte. Auch den ehemaligen New Yorker Börsechef Richard Grasso hatte der gnadenlose Law-and-Order-Mann auf die Rückgabe eines großen Teil seines Gehalt verklagt. Auch US-Banken wie Bear Stearns, Credit Suisse, Deutsche Bank, Goldman Sachs, J.P. Morgan Chase, Lehman Brothers, Merrill Lynch und Morgan Stanley zählten zu Spitzers Opfern.
Nun stolpert Spitzer, prominentes Mitglied der Demokratischen Partei, über eine Prostituierte. Nachdem die "New York Times" einen dementsprechenden Bericht auf ihre Webseite stellte, sah sich Spitzer - einer der "Superdelegierten" der Demokraten - gezwungen, vor die Öffentlichkeit zu treten. In einer eilig einberufenen Pressekonferenz gab sich Spitzer an der Seite seiner Frau reumütig: "Ich habe mich nicht an die Maßstäbe gehalten, die ich von mir selbst erwartet habe". Das Image des Saubermanns ist dahin. Doch was war passiert?
FBI: Spitzer war "Kunde 9"
Der New Yorker Gouverneur hatte sich in der Nacht zum Valentinstag am 13. Februar eine Prostituierte in das Washingtoner "Mayflower"-Hotel bestellt. Sein Pech: Das FBI hörte mit, als er eine New Yorker Zuhälterin bat, ein Call Girl in die Hauptstadt Washington zu schicken.
Mit dieser Reise wurde aus einer "Privatsache", wie es Spitzer nennt, jedoch ein "grenzüberschreitendes Vergehen". Die Prostituierte brach mit ihrer Bahnfahrt durch fünf Bundesstaaten Bundesrecht der USA. Wenn jemand grenzüberschreitend geltendes Recht beugt, wirkt das in den USA strafverschärfend. Mit der Anstiftung zur Reise wurde Spitzer, "Kunde 9", dem US-System zufolge zum FBI-Fall. "In dem Augenblick, in dem die New Yorker Prostituierte ein Ticket der bundeseigenen Bahngesellschaft Amtrak erwarb, stieg auch das potenzielle Strafmaß für Spitzer dramatisch an", schreibt "Welt Online". Einer Anklage wird er kaum entkommen.
Spitzer war Stammkunde
Spitzer verwendete den Namen "George Fox" unter seiner New Yorker Privatadresse an der Fifth Avenue. George Fox ist laut "Spiegel Online" der Name eines Hedgefonds-Beraters und Freundes Spitzers, der von nichts wusste.
Ironie des Schicksals: Spitzer fiel ausgerechnet jenen Ermittlungsmethoden zum Opfer, die er selbst perfektioniert hatte. Die Fahnder hatten den Call Girl-Ring "Emperors Club VIP" schon lange im Visier - Prostitution ist in New York illegal.
Spitzer war offenbar Stammkunde: Er hatte der Anklage zufolge beim "Emperors Club" noch ein Guthaben "von früher" - in Höhe von "400 oder 500 Dollar", schreibt "Spiegel Online". Das Treffen mit dem Call Girl erforderte offenbar komplizierte Finanzverhandlungen. "Kunde 9" habe für das mehrstündige Treffen 4.300 Dollar vorausgezahlt - inklusive eines Vorschusses für "künftige" Termine.
"Schadenfreude-Zeit an der Wall Street"
Spitzer, der sich mit seiner Tätigkeit als New Yorker Justizminister viele Feinde gemacht hat, brauchte auf den Spott nicht lange warten. "Es ist Schadenfreude-Zeit an der Wall Street", schreibt das "Wall Street Journal". TV-Wirtschaftssender CNBC zitierte laut "Spiegel Online" einen schadenfreudigen Börsenhändler mit dem Stoßseufzer: "Es gibt noch einen Gott." Auf den Handelsparketten in der Wall Street sei die Nachricht mit "Wogen des Gelächters" begrüßt worden, berichtete ein Leser des Börsenblogs "Dealbreaker". (phu)