Im November 1989 hat Bawag-Chef Walter Flöttl akribisch aufgelistet, welche Leistungen die Bank für Gewerkschaftsbund, SPÖ und Konsum bis dato erbracht hat. Im Wortlaut.
Der frühere Generaldirektor Walter Flöttl hat sich in Briefen an seinen Haupteigentümer ÖGB und an den jetzigen AK-Chef Tumpel wortreich darüber beklagt, dass die diversen verdeckten Sponsoring-Aktionen für den ÖGB und die SPÖ dreistellige (Schilling-)Millionenbeträge kosten und die Bawag dadurch ein kleines Ertragsproblem bekommt. Eigentlich normal für einen Bankdirektor, der sieht, dass seine Bank als Goldesel missbraucht wird.
Was die Sache interessant macht, ist der Zeitpunkt der Flöttlschen „Suderei“, wie seine Genossen wohl heute sagen würden: Wir schreiben das Jahr 1989. Um diese Zeit herum wurde die Idee geboren, einmal so richtig Wallstreet-Kapitalist zu spielen. In Form der berühmten Vater-Sohn-Geschäfte des Bawag-Generals mit seinem Filius Wolfgang, der gerade in New York eine Investmentbanker-Karriere hinlegte. Flöttl Junior erhielt vom Vater aus Wien ein paar Milliarden Spielkapital zur Vermehrung. „Karibik 1“, die (noch) ertragreiche Variante des späteren Bawag-Sargnagels war geboren.
Das zeitliche Zusammentreffen kann natürlich Zufall sein. Aber dass ein Generaldirektor, dessen Bank gerade ausgenommen wird und der sich immer größeren Forderungen seiner Genossen gegenübersieht, verzweifelt nach neuen Geldquellen sucht, ist nicht so abwegig. Auf Dauer kann ja keine Bank davon leben, dass sie einem Großkunden mehr Einlagenzinsen bezahlt, als sie ihm Kreditzinsen verrechnet.
Es sieht also danach aus, als hätten die riskanten Spekulationen, die die Bawag schlussendlich in die Arme eines amerikanischen Hedgefonds und den ÖGB an den Rand der Pleite gebracht haben, ihren Ursprung darin gehabt, dass ein Eigentümer aus politischen Gründen ein bisschen viel von seinem Unternehmen wollte.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.03.2008)