Flugverkehr: Multimedia über den Wolken

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Über den Wolken ist bekanntlich die Freiheit grenzenlos. In modernen Flugzeugen steht auch das World Wide Web offen, und ein Angebot an multimedialen Inhalten ist im Überfluss vorhanden.

Gut 100 Jahre ist es her, dass die ersten Menschen mit Hilfe von Motorkraft von der Erde abhoben. Der Grundstein der Fliegerei war gelegt, doch angesichts der zurückgelegten Distanzen dachten die Brüder Wright wohl noch nicht über Unterhaltungsmöglichkeiten an Bord nach. Aber die Reichweiten erhöhten sich rasch, und einem Herrn Lindbergh war 1927 bei seinem legendären Flug von New York nach Paris wahrscheinlich schon ziemlich langweilig. Dies empfand auch die immer größer werdende Zahl an Passagieren nicht anders; seit 1961 zeigt die Fluglinie TWA regelmäßig einen Spielfilm an Bord, eine Idee, die sich rasch auf breiter Front durchsetzte.

Wunschfilm auf dem Vormarsch

Und die Ansprüche wuchsen bis heute immer weiter, sogar auf Kurzstrecken möchte man mittlerweile unterhalten werden, der persönliche Monitor ist fast schon Pflicht. Ohne den kleinen Bildschirm ist der Trend der letzten Jahre aber auch nicht umsetzbar: Personalisierung. Hat vor einigen Jahren noch das Abspielen einer Videokassette ausgereicht, erwartet den Fluggast heute das mediale Schlaraffenland. Wer beispielsweise mit Qantas abhebt, sollte eine gewisse Entscheidungsfreude mitbringen. Denn bei Langstrecken hat man quer durch alle Klassen die Qual der Wahl: 60 Filmkanäle, 200 Fernsehsender, 20 Radiosender, 150 CDs und zehn Computerspiele sollten auch längere Flugzeiten ertragbar machen. Weiters ist eine Entwicklung, die zurzeit auch in unsere Wohnzimmer schwappt, bei vielen Airlines bereits umgesetzt: Audio/Video on Demand. Dies bedeutet, dass die Angebote individuell steuerbar sind. Kurz auf die Pausetaste gedrückt, und man kann sich ganz der Identifizierung des Mittagsmenüs widmen, ohne Angst zu haben, das Happy End des neuesten Blockbusters zu versäumen.

Spiele für Jung und Alt

Wem das alles zu gemütlich ist, sollte sich an den bereits erwähnten Computerspielen versuchen. Cathay Pacific bietet bis zu 96 interaktive Möglichkeiten des Zeitvertreibs an, was aber hauptsächlich beim jüngeren Publikum Anklang findet. Erwachsene werden eher bei Lauda fündig. Auf bestimmten Flügen hat man die Casinos Austria mit an Bord, und da Kreditkarten akzeptiert werden, dürfte bei Black Jack, Roulette und Co. für genug Realitätsnähe und Aufregung gesorgt sein. Je nach Spielverlauf wäre es danach von Vorteil, in einem Flieger mit Silent Channel zu sitzen, die sich beispielsweise auf den Langstreckenflügen der Austrian testen lassen. Dort bekommt man nämlich einen Kopfhörer, der in Kombination mit Mikrofon und aufwendiger Elektronik die Umgebungsgeräusche löschen kann - klingt kompliziert, bedeutet aber schlicht absolute Ruhe.

Handy im Flugzeug?

Diese Technik wird sich in den nächsten Jahren vielleicht rasend verbreiten, denn das Handy macht sich gerade auf, den Luftraum zu erobern. Bisher haben spezielle Satellitentelefone und hohe Verbindungsgebühren die Nutzung deutlich eingeschränkt. Wenn aber bald das eigene Mobiltelefon eingeschaltet bleiben darf und nur noch Kosten ähnlich einem Anruf aus dem Ausland anfallen, dürfte die telekommunikative Auszeit an Bord ihr Ende finden. Air France erlaubt auf einigen Flügen seit kurzem Versand und Empfang von E-Mail sowie SMS und wird demnächst mit der Erprobung der Handytelefonie starten. Dies wird aber von gründlichen Umfragen begleitet, denn bei so vielen Menschen auf so kleinem Raum kann ein mit eingeschaltetem Mobiltelefon ausgestatteter Sitznachbar schnell zum Stressfaktor werden. Die Fluglinie bietet jedoch die Möglichkeit, sich durch Bildung abzulenken. Ist ein Sprachtrainer Teil des On-Board-Entertainments, kann man beispielsweise auf 23 Sprachen lernen, wie man Menschen bittet, ein wenig leiser zu sein. Bei Flügen nach Asien kann man seiner Umwelt auch mit Hilfe von Weiterbildung in Form von Geovision entkommen. Die Region, die gerade überflogen wird, ist durch hochauflösende Satellitenbilder genauer erkundbar. Wer eher auf passive Unterhaltung setzt, ist sicher in einem jener Flieger richtig, die die immer beliebter werdenden Hörbücher anbieten; unter anderem findet man diesen Service bei British Airways.

Wlan in der Kabine, USB im Sitz

Doch damit sind die Möglichkeiten der Personalisierung noch lange nicht ausgeschöpft. Internet im Flugzeug ist die nächste Stufe, die bereits bei einigen Fluggesellschaften gezündet wurde. Die Lufthansa hat vor knapp vier Jahren diesbezügliche Pionierarbeit geleistet. Mittlerweile ist es vor allem in der Business-Klasse ein immer beliebteres Ausstattungsmerkmal. Im größten Personenfl ugzeug der Welt, dem A380, will man den neuen Ansprüchen mehr als gerecht werden. Abhängig davon, wie viel die Airlines bereit sind, in den Punkt On-Board-Entertainment zu investieren, wird es möglich sein, mit dem persönlichen Laptop dank Wlan über den Wolken ungebunden zu surfen, und in den Sitzen wird man neben einem Stromanschluss auch einen USB-Zugang finden können. Einfach den eigenen Speicherstick anschließen, um dann die darauf ab gelegte Musik zu hören, während man sich die Bilder des letzten Urlaubs als Diashow anzeigen lässt. Ob man dazu aber tatsächlich kommt, wird sich zeigen, denn das abrufbare Angebot an Bord wird üppig ausfallen: Mehr als 100 Filme in verschiedenen Sprachen, über 300 Fernsehkanäle, um die 500 Musikalben, außerdem Radiokanäle, Hörbücher, Sprach- und Bildungsangebote, ausgiebige Informationen rund um Reiseroute und Ziel sind einige Entertainmentbausteine der kommenden Flugzeuggeneration. Doch damit tut sich ein neues Problem auf: Die Passagiere werden sich angesichts der unendlichen Unterhaltungsmöglichkeiten wohl bald über die zu kurzen Flugzeiten beschweren.

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