US-Wahl: Demokraten stehen vor einem Sechswochenkrieg

(c) AP (Matt Rourke)
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Bis zur nächsten Vorwahl am 22. April in Pennsylvania werden sich Obama und Clinton eine Schlammschlacht liefern.

Washington. Die vorerst letzte Schlacht ist geschlagen, doch der Krieg geht erst richtig los. In sechs Wochen, am 22. April, finden die nächsten demokratischen Vorwahlen im Bundesstaat Pennsylvania statt. Und bis dahin gilt für beide Präsidentschaftskandidaten die Devise, den Gegner derart schlecht zu machen, dass ihn niemand mehr wählen will.

Um 158 Delegierte geht es in dem Bundesstaat, und Hillary Clinton liegt laut Umfragen derart weit in Führung, dass sich Barack Obama von seiner bisher geübten Zurückhaltung beim „Negative Campaigning“ wohl verabschieden wird müssen. Bis zu 20 Prozentpunkte beträgt der Vorsprung der ehemaligen First Lady. Zu viel für Obama, als dass er nur mit seinem Wahlkampf-Motto des „Wechsels“ punkten könnte.

Der Senator aus Illinois hat freilich weiterhin eine komfortable Führung. Nach dem wenig überraschenden Sieg bei den Vorwahlen in Mississippi in der Nacht auf Mittwoch – 36 Prozent der Bewohner sind schwarz – mit 61 Prozent vor Clinton mit 37% kommt er laut CNN-Zählung auf 1608 Delegiertenstimmen. Clinton liegt bei 1478. In Texas erhielt Obama nun nach Auszählung aller Stimmen sogar mehr Delegierte als Clinton, die in dem Bundesstaat vergangene Woche prozentuell gewann.

Für Kontroversen sorgte in den vergangenen Tagen die Clinton-Mitarbeiterin Geraldine Ferraro (erfolglose Vizepräsidentschaftskandidatin 1984 unter Walter Mondale). Sie führte den Erfolg Obamas auf seine Rasse zurück: „Wäre er weiß, wäre er nicht in dieser Position.“ Eine mittlerweile zurückgetretene Mitarbeiterin Obamas hatte Clinton wiederum als „Monster“ bezeichnet.

Obamas Saubermann-Image könnte in den kommenden Wochen Flecken durch den Betrugsprozess gegen Tony Rezko, einen Immobilienmakler aus Chicago, bekommen. Der Jungsenator hatte sein Nachbargrundstück von Rezko unter dem Marktwert gekauft und damit sein Anwesen beträchtlich vergrößert. Das ist zwar nicht strafbar, sieht aber schlecht aus.

Briefwahl in Florida?

Im Kampf um Delegiertenstimmen wird noch immer über die Situation in Florida und Michigan diskutiert, deren Vorwahl-Ergebnis nicht gewertet wird, weil sie früher als erlaubt wählten. Einige Parteigranden wollen eine Wiederholung der Abstimmungen per Briefwahl, doch das wird von Teilen der Partei abgelehnt.

Florida genießt deswegen Bedeutung, weil es ein „Swing-State“ ist, der bei den Präsidentschaftswahlen einmal demokratisch, einmal republikanisch stimmt. Clinton hofft mit einem Sieg in diesem Staat die Superdelegierten überzeugen zu können, für sie zu stimmen: Bisher gewann sie den Swing-State Ohio und hofft auf den Sieg in Pennsylvania.

Obama fand indes lobende Worte für Clinton und bezeichnete sie als „fähige Person“, die als Vizepräsidenten „für jeden in die engere Wahl“ käme. In den USA wird freilich allgemein bezweifelt, dass Obama Clinton zu seinem „running mate“ machen würde.

VORWAHLKAMPF. Obama führt bei Delegierten

Nach seinem Sieg in Mississippi in der Nacht auf Mittwoch (61:39 Prozent) baute Barack Obama seine Führung vor Hillary Clinton weiter aus. Er gewann 17 Delegierte dazu und führt derzeit mit 1608 vor Clinton mit 1478. In Texas, das Clinton mit 51 Prozent knapp gewann, erhielt Obama aufgrund der komplizierten Wahlarithmetik mehr Delegierte: 98 vor Clinton mit 95 (ohne Superdelegierte).

Die nächste Vorwahl
findet am 22. April in Pennsylvania statt, wo 158 Delegierte vergeben werden. Ein Kandidat benötigt 2025 Delegiertenstimmen für die Nominierung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.03.2008)

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