Analyse. Warum Meinl-Zertifikateure schlechte Karten haben und vom Verkauf der MEL nicht unbedingt profitieren werden.
Es wird „evaluiert“, geblockt und angeblich auch verhandelt, aber es geht beim angekündigten Verkauf nichts weiter: Die verbliebenen „Zertifikateure“ der Meinl European Land (MEL) haben eine harte Geduldsprobe zu bestehen. Und das wird noch eine Zeit lang dauern. Denn verkäuflich ist das seit dem Vorjahr in den (negativen) Schlagzeilen stehende Immobilienunternehmen vorläufig wohl nicht. Dazu sind zu viele Fragen offen.
Zum Beispiel rechtliche: Es drohen Klagen von Anlegern und es ist noch nicht wirklich klar, welche Konsequenzen die Prüfungen von Nationalbank und Finanzmarktaufsicht nach sich ziehen. Das dürfte aber das kleinere Problem sein: Was bisher aus den Berichten der Prüfer an die Öffentlichkeit gelangte, wussten „Presse“-Leser schon lange, bevor die Prüfer tätig wurden, aus der laufenden Berichterstattung. Zudem sind die Konsequenzen bei Finanzvergehen hierzulande nicht gerade abschreckend.
Knackpunkt Jersey-Prüfung
Gravierender ist, dass die Behörden im Firmensitz von MEL, dem Steuerparadies Jersey, Gesetzesverstöße vermuten und ermitteln. Ein Unternehmen mit diesem Risiko zu übernehmen wird wohl keinem Großinvestor einfallen.
Besitzer von MEL-Zertifikaten (die den meisten von ihnen als „Aktien“ angedreht worden waren) haben also wahrscheinlich noch eine längere Wartezeit vor sich. Dass sie von einem Verkauf wirklich profitieren, ist freilich auch nicht sicher. Dazu ist nämlich die Konstruktion zu kompliziert – und vor allem so konzipiert, dass sie, wie schon bisher, vor allem als Cash Cow für die Meinl Gruppe dienen kann.
Wie berichtet besitzt die MEL, an der die „Zertifikateure“ beteilkigt sind, die Immobilien, sie wird aber per Managementvertrag von der Meinl Bank-Tochter MERE total kontrolliert. Und sie muss dafür hohe Gebühren abführen.
Verhandelt wird derzeit hauptsächlich über einen Verkauf der MERE, wobei die Gespräche mit den bisherigen Interessenten wie berichtet an weit überzogenen Forderungen der Meinl Gruppe gescheitert sind.
Wer die MERE kauft, ist in einer komfortablen Situation: Er besitzt zwar nicht das Immobilienunternehmen, kann aber dank der ausgeklügelten Verträge – wie bisher die Meinl-Gruppe – hohe Gewinne heraus ziehen. Und zwar zumindest sechs Jahre lang, denn so lange ist die vertragliche Kündigungsfrist des Managementvertrags.
Die „Zertifikateure“ wären zwar in der Position des Kapitalbereitstellers, hätten in „ihrer Firma“, wie übrigens schon jetzt, nichts mitzureden. Freilich: Die MEL selbst steht gut zur Hälfte im Einflussbereich der Meinl-Gruppe. 20 Prozent rückgekaufte Zertifikate und „Partly Paid Shares“ (PPS), die ein Drittel der Stimmrechte ausmachen, sichern eine komfortable Mehrheit. Meinl sagt zwar bis heute nicht, wer konkret all diese Anteile hält, aber dass sie im Einflussbereich der Gruppe stehen, ist wohl unbestritten. Zumal die Unternehmen der Gruppe (auch die ähnlich konstruierten und an der Börse ähnlich erfolglosen MAI und MIP) zwar organrechtlich eindeutig getrennt, aber teilweise in Personalunion von Meinl-Managern geführt und damit in der Praxis wohl ziemlich verbundene Unternehmen sind.
Verwässerung droht
Meinl kann also auch mehr als die Hälfte der MEL nach eigenem Gutdünken verkaufen. Wenn das auch über eine „Auffüllung“ der Partly Paid Shares geht, dann ist das der nächste Schlag für die „Zertifikateure“: Dann werden ihre Anteile nämlich stark „verwässert“, was dem Kurs wohl nicht sonderlich helfen wird.
Meinl hat bisher zwar mehrmals ausgeschlossen, dass es zu einer „Auffüllung“ der PPS und zu einem unterpreisigen Verkauf der rückgekauften Zertifikate kommt. Allerdings: Anleger haben nicht den Eindruck, dass bisher viel von dem eingetreten ist, was Meinl zuletzt zugesagt hat.
AUF EINEN BLICK
Der Verkauf der Meinl European Land ist in weite Ferne gerückt, die kursdrückende Wartezeit auf eine Lösung ist prolongiert.
Zertifikatsinhaber haben schlechte Karten, halbwegs ungeschoren aus der verfahrenen Situation heraus zu kommen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2008)