Bear Stearns: Dramatische Rettungsaktion für Investmentbank

(c) EPA (Justin Lane)
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Übernahme von Bear Stearns zu Sonderkonditionen; Fed senkt den Diskontsatz um 25 Basispunkte.

Washington. Es war eine der besseren Karikaturen zur aktuellen Finanzkrise. Zwei Banker stehen vor einer Hausruine mit der Aufschrift „Bear Stearns“, und einer sagt zum anderen: „Das hat man davon, wenn man den Armen hilft.“

Natürlich hat die US-Investmentbank nicht selbstlos mit den fragwürdigen Immobilienkrediten von noch fragwürdigeren Kreditnehmern spekuliert, sondern in der Hoffnung auf fette Gewinne. Geworden ist daraus am Ende ein einzigartiges Sonderangebot für die Konkurrenz: Um nur 236,2 Mio. Dollar – 93 Prozent unter dem Marktwert – hat die Investmentbank JP Morgan die angeschlagene Bear Stearns übernommen.

Die Übernahme entspricht einem Kaufpreis von knapp zwei Dollar pro Aktie, die Donnerstag vergangener Woche noch mit 60 Dollar und vor einem Jahr mit 170 Dollar gehandelt wurde. Der Schleuderpreis ist für JP Morgan nicht einmal mit einem großen Risiko verbunden. Denn die US-Notenbank, die den Deal am Wochenende eingefädelt hatte, garantiert 30 Mrd. Dollar für die Sicherung von Vermögenswerten von Bear Stearns. Als ob das nicht Beweis genug für die Dramatik der Situation ist, senkte die Fed nach einer Sondersitzung am Wochenende zudem den Diskontsatz von 3,5 auf 3,25 Prozent. Sie schafft erstmals auch die Möglichkeit, dass sich die 20 größten Wall-Street-Investmentbanken Kurzzeitkredite direkt bei der Notenbank sichern können.

Bear Stearns hatte wegen ausgefallener Kredite im Geschäftsjahr 2007 in Summe 1,9 Mrd. Dollar abgeschrieben. Gestern wäre ein Quartalsbericht fällig gewesen, er wurde aufgrund der aktuellen Situation verschoben. Auch bei anderen Banken sind diese Woche Quartalsberichte und Prognosen fällig: Heute, Dienstag, bei Goldman Sachs und Lehman Brothers, morgen bei Morgan Stanley.

Einer der größten Verlierer bei Bear Stearns ist deren Ex-Chef James Cayne, der im Sommer 2007 lieber Golf spielte, als sich mit der Kreditkrise zu beschäftigen. Seine Anteile waren vergangene Woche noch eine Mrd. Dollar wert, jetzt nur noch zwölf Mio.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2008)


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