Golf. Der Ausnahmekönner feierte seinen 64. Sieg auf der US-Tour.
ORLANDO. Der Start in das Arnold-Palmer-Invitational war Tiger Woods schwer gefallen. Er hatte Fehler gemacht, die ihm sonst nicht passieren, wie er selbst gestand. Aber die Nummer 1 steigerte sich, kämpfte sich an die Spitze heran und landete mit dem letzten Schlag eine Sensation.
Mit einem 8-Meter-Putt aus extrem schwieriger Position schnappte Tiger Woods Bart Bryant am letzten Loch den Sieg mit einem Stroke Vorsprung weg. Der finale Kunstschlag brachte selbst den Ausnahmekönner in Ekstase: Unter sprichwörtlichem Tigergebrüll warf er seine Kappe zu Boden und feierte den Triumph. „Ich habe mir eingeredet, dass ich so einen schwierigen Putt schon einmal gemacht habe und dass er mir wieder gelingen würde“, erzählte Woods später. Bart Bryant, der sich mit Woods über mehrere Spielbahnen ein Kopf-an-Kopf-Duell geliefert hatte, meinte lediglich: „So etwas musst du erst einmal verdauen. Aber mich überrascht nun gar nichts mehr.“
Woods, der im Winter die längste Auszeit seiner Karriere genommen und sich ganz der Familie gewidmet hatte, setzte mit dem Erfolg seine Furcht erregende Siegesserie fort: Zum fünften Mal in Folge gewann er das Einladungsturnier des Altmeisters. Alle vier Turniere, an denen er heuer teilgenommen hat, konnte er gewinnen. Mehr noch: Woods feierte nun schon sieben Siege in Folge, bei seinen jüngsten zehn Turnierteilnahmen war er einmal Zweiter, sonst immer Sieger. Und mit seinem insgesamt 64. Karriere-Erfolg auf der US-Tour zog er in der ewigen Bestenliste mit dem drittplatzierten Ben Hogan gleich. Nur Jack Nicklaus (73) und Sam Snead (82) liegen noch vor ihm.
Fehlt er, floppen die TV-Quoten
Tatsächlich ist Tiger Woods längst zur alles überragenden Figur der Szene geworden. Seine Stellung ist dermaßen dominant, dass er damit seinen eigen Sport zu kannibalisieren droht. Zumindest was die Turniere der US-PGA-Tour, dem Top-Segment des amerikanischen Wettkampfbetriebes betrifft. Denn dort, wo Woods antritt, schnellen Dotation, TV- und Zuseherinteresse sprunghaft in die Höhe, dort wo der Superstar fehlt, haben es Organisatoren ungleich schwerer, Sponsoren und Aufmerksamkeit anzuziehen. Beim Auftakt der Playoffs zu dem mit 35 Millionen Dollar dotierten FedEx-Cup 2007 floppten die TV-Quoten und wurden sogar von jenen eines Kinder-Baseball-Spiels übertroffen. Richtig geraten: Woods hatte bei diesem Turnier gefehlt.
Woods als Starter zu verpflichten ist in der Tat schwer, denn der Familienmensch Woods, dessen Frau Elin Nordegren vergangenen Juni Tochter Sam Alexis zur Welt gebracht hatte, ist nicht bereit, mehr als 17 Turniere pro Jahr zu spielen. Und er ist darauf bedacht, diese zeitlich clever rund um die Major-Turniere anzuordnen.
Charity als Köder
Da auf der US-Tour keine Startgelder für die Spieler ausbezahlt werden, sind es andere Mittel, mit denen Turnierdirektoren nach Stars fischen: Sie bieten ihnen Luxusautos während des Turniers, veranstalten Angelausflüge.
Um Woods anzuködern, greifen einige Veranstalter nun doch wieder zum Mammon – indirekt jedenfalls. Sie widmen den Erlös der bei jedem Turnier obligaten Benefizveranstaltung der Stiftung von Tiger Woods, einem Hilfsfonds für Kinder. Eine Form der Wohltätigkeit, die nicht gänzlich selbstlos erscheint.
AUF EINEN BLICK
Tiger Woods feierte mit dem Sieg beim Arnold-Palmer-Invitational den insgesamt 64. Erfolg seiner Karriere.
In der ewigen Bestenliste hat er nun mit dem drittplatzierten Ben Hogan gleichgezogen, Jack Nicklaus (73) und Sam Snead (82) liegen vor ihm.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2008)