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Hirtzberger wird Vergiftung überleben

(c) APA (Helmut Fohringer)
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Mehr als fünf Wochen nach dem Giftanschlag ist der Zustand des Spitzer Bürgermeisters stabil. Ein Gutachten beweist nun, dass er Strychnin im Magen hatte. Ein weiteres soll klären, wie er es zu sich genommen hat.

Im Fall des vergifteten Spitzer Bürgermeisters Hannes Hirtzberger erwartet die Staatsanwaltschaft Krems für diese Woche ein weiteres Gutachten. Darin soll Auskunft darüber gegeben werden, wie der 55-Jährige das Strychnin aufgenommen hat, erwartet Staatsanwalt Friedrich Kutschera.

Hirtzberger hat am 9. Februar offenbar einem Zeugen gegenüber von einem vergifteten "Mon Cheri" gesprochen, das er gegessen habe. Wenig später ist der Spitzer Bürgermeister zusammengebrochen. Aus einem mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft Krems eingelangten Gutachten ist hervorgegangen, dass Strychnin im Magen des Opfers war.

Hirtzberger wird Anschlag überleben

„Die Vitalfunktionen von Hannes Hirtzberger sind stabil, akute Lebensgefahr besteht nicht mehr,“ sagt Gerhard Kronik, ärztlicher Leiter des Landesklinikums Krems, am Montag zur „Presse“. Er geht davon aus, dass der 55-Jährige noch in dieser Woche aus der Intensivstation in Krems auf die neurologische Station des Krankenhauses St. Pölten verlegt werden kann. Dort seien dann Rehabilitationsmaßnahmen notwendig, weil Hirtzbergers Hirnfunktionen infolge der Vergiftung am 9. Februar ähnlich einem Schlaganfall geschädigt worden seien. „Das kann sich in den kommenden Monaten aber noch regenerieren“, so Kronik.

Anklage im April?

Unterdessen rechnet Ernst Schuch vom Landeskriminalamt Niederösterreich damit, dass die Staatsanwaltschaft im April Anklage wegen versuchten Mordes gegen den Hauptverdächtigen Helmut O. erheben werde. Es seien noch einige Gutachten ausständig, aber prinzipiell wolle die Staatsanwaltschaft den Fall vor Auslaufen der Untersuchungshaft vor Gericht bringen. Diese war am Donnerstag bis 13. April verlängert worden.

Medienberichte, dass O. mit dem Speichel eines Verwandten versucht habe, eine falsche DNA-Spur zu legen, will Schuch nicht bestätigen. Die Ermittler stützen sich bei ihrem Verdacht gegen O. insbesondere auf derartige Spuren, die auf der Verpackung der mit Strychnin vergifteten Praliné gefunden wurden.

Vorwürfe eines Verteidigers von O., die Ermittlungen der Polizei ließen die Möglichkeit außer acht, das Gift könnte in einer anderen Speise enthalten gewesen sein, weist Schuch zurück: Man ermittle ohnehin in alle Richtungen; und: „Ein Verteidiger muss natürlich irgendetwas bemängeln.“ Die Belohnung von 20.000 Euro für entscheidende Hinweise, die zur Klärung des Falles führen, ist nach wie vor aufrecht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2008)