Pentagon: Keine Verbindung Irak, al-Qaida

Eine US-Studie kommt zum Schluss, dass der Irak Terror unterstützte, aber nicht al-Qaida.

Washington. Es ist dem Pentagon offenbar nicht ganz angenehm, was das von ihm beauftragte „Institute for Defense Analyses“ zum Thema „Saddam and Terrorism“ geschrieben hat. Fast verschämt hat man diese Woche die Studie bekannt gegeben. Wer sie haben möchte, muss beim Pentagon um eine Kopie anfragen, die per Post zugeschickt wird.

Möglicherweise hat es mit dem zweiten Satz im zweiten Absatz auf Seite 15 zu tun: „Die Studie fand keinen harten Beweis für eine direkte Verbindung zwischen Saddams Irak und al-Qaida.“ Ein vernichtendes Urteil nach dem Studium von 600.000 Seiten beschlagnahmter Irak-Unterlagen und Verhörprotokollen mit früheren irakischen Spitzenpolitikern und -militärs.

Diese Schlussfolgerung ist zwar nicht neu. Auch eine Untersuchungskommission des US-Senats befand, dass Saddam Hussein islamischen Terrorismus gar als Bedrohung für sein Regime empfand. Die aktuelle Studie hat aber deswegen besonderes Gewicht, weil der Auftraggeber das Pentagon ist und die Autoren Zugang zu bisher geheimen Akten hatten.

Rumsfeld, Cheney widerlegt

Mit dem simplen Satz werden sowohl US-Vizepräsident Dick Cheney als auch Ex-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld widerlegt. Beide hatten von engen Beziehungen Iraks zu al-Qaida gesprochen, Rumsfeld hatte im September 2002 sogar erklärt, die CIA könne „wasserdicht“ nachweisen, dass die Terrorgruppe von Osama bin Laden im Irak sei.

Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass Irak sehr wohl in „regionale und internationale Terroroperationen“ involviert war. Ziel seien aber vornehmlich irakische Bürger gewesen mit der Absicht, Saddams Macht zu sichern.

Staatlich unterstützter Terrorismus habe derartige Ausmaße angenommen, dass man bürokratische Vorschriften für das Training und die „Zertifizierung“ von Auto-Bomben und Selbstmordattentätern einführte, heißt es in dem teils zensurierten Bericht weiter.

Kriegsbeginn um 5.30 Uhr

Die mutmaßlichen Verbindungen zwischen Bagdad und al-Qaida waren eine Begründung der Bush-Administration für den Krieg. Hauptgrund war die angebliche Existenz von Massenvernichtungswaffen, die aber nie gefunden wurden.

Der US-Senat autorisierte den Präsidenten am 11. Oktober 2002 mit 77 zu 23 Stimmen, Irak anzugreifen, sollte Saddam Hussein die UN-Resolutionen in Bezug auf seine Massenvernichtungswaffen nicht erfüllen. Im Repräsentantenhaus votierten 296 Mitglieder für die Resolution (133 dagegen). Am 19. März 2003 um 21.30 Uhr Washingtoner Zeit (5.30 Uhr am 20. März in Bagdad) begann die „Operation Iraqi Freedom“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2008)


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