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Lebenswandel: Ex-Junkie gibt Drogenaufklärung an Schulen

(c) APA (HELMUT FOHRINGER)

Alexander Golfidis war heroinabhängig, nun klärt er Jugendliche über Folgen des Drogenmissbrauchs auf. Auch Halleiner Schüler dürfen den Ex-Junkie befragen - ganz ohne Aufsicht von Lehrern.

HALLEIN. Schwarze Jacke, Jeans, schicke Sneakers, ein Piercing am Kinn, kurzgeschorene Haare, die Beine lässig übereinandergekreuzt: Alexander Golfidis könnte mit seinem Outfit und Gehabe der Schwarm manch junger Mädchen sein. Doch seine Lebensgeschichte ist wohl nicht ganz nach dem Geschmack der Eltern der Teenies.

Der Bayer war jahrelang heroinabhängig, hat alle Arten von Drogen ausprobiert, gedealt, mit Diebstählen seine Sucht finanziert. Er kennt das Leben am Abgrund, weiß, wie man sich selbst betrügt, wenn es um das Eingeständnis von Sucht geht.

Seit neun Jahren ist er Ex-Junkie und hat einen neuen Lebensinhalt: Er tourt als Drogenaufklärer durch Schulen und berichtet von seinen Erfahrungen mit Heroin, Hasch und LSD. Authentisch und ohne erhobenen Zeigefinger. „Wenn ich so nur einen davon abhalten kann, drogenabhängig zu werden, lohnt es sich“, sagt er zur „Presse“. Das Warnen vor der Sucht und den Gefahren von Drogen ist zur Mission geworden. Seine Erfahrungen hat er zu einem Buch verarbeitet, aus dem er in der Klasse auch vorliest.


Gosse, Entzug und Gefängnis

Die 15-Jährigen an der Polytechnischen Schule in Hallein hören gebannt zu. Manchmal schütteln sie ungläubig den Kopf. Im Sesselkreis ist es still, wenn der Autor berichtet: Vom Leben eines 13-jährigen, der seine Feigheit mit der Zugehörigkeit zu einer Rockergang kaschiert, von Unzufriedenheit mit den Antworten auf Lebensfragen. Vom beglückenden Rausch nach dem ersten Joint und der „großen Party“ nach LSD. Doch dem Hoch folgt der Fall: In Abhängigkeit, Gosse, Entzug und ins Gefängnis.

„Drogenaufklärung gehört zum Lehrplan“, begründet Klaudia Oberer-Aigner, Lehrerin an der Polytechnischen Schule, die Zusammenarbeit mit dem Bayern. Ihr geht es um eine wirksame Aufklärung, die die Jugendlichen dauerhaft erreicht. Früher habe sie Ärzte, speziell ausgebildete Lehrer oder Drogenexperten eingeladen. Mit mäßigem Erfolg: „Das ist für die Jugendlichen Wissen aus zweiter Hand“, meint sie. Schließlich wüssten heute viele Jugendliche mehr über Drogen als die Elterngeneration.

Dann sei sie auf Golfidis gestoßen und habe ihn an die Schule eingeladen. „Viele Jugendliche sagen, dass das das Beste ist, was sie jemals darüber gehört haben. Und sie sagten, dass sie nie in so eine Situation kommen wollen“, berichtet die Pädagogin. Wie dauerhaft die authentischen Berichte des Ex-Junkies präventiv wirken, kann freilich niemand sagen. In den Fragerunden, die ohne Lehrer ablaufen, rücken Schülerinnen und Schüler mit eigenen Erfahrungen und Fragen, die oft tabuisiert werden, heraus. „Manche outen sich vor der Klasse als Drogenkonsumenten und wollen meine Meinung hören“, erzählt Golfidis.

„An jeder Schule ist man irgendwann mit Drogen konfrontiert“, gibt sich Oberer-Aigner keiner Täuschung hin: „Die Jugendlichen haben jederzeit Zugang, wenn sie das wollen.“ Und es nütze nichts, den Drogenkonsum zu verteufeln, wenn die Jugendlichen beim Ausprobieren feststellen, dass die Wirkung nicht so schrecklich ist, wie von den Erwachsenen immer beschworen. Da stehe die Glaubwürdigkeit insgesamt auf dem Spiel.


Glücksgefühl beim ersten Versuch

Eine Erfahrung, die auch Golfidis beschreibt: „Meine ersten Versuche waren eher mit Glücksgefühlen verbunden“, erzählt er. Lange habe er gedacht, dass er seinen Konsum im Griff habe und jederzeit aufhören könne. Ein Trugschluss, wie er bei vielen gescheiterten Entzugsversuchen feststellte. Und genau diese Botschaft versucht er nun weiterzugeben, um andere von der Sucht fernzuhalten.

www.schusteralex.de

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2008)