Galerien in Graz und Innsbruck: Schlammrakete und Bierdosenattacke

Zwei Bastler, zwei Reifegrade: David Moises in der Galerie von Patrick Ebensperger und Michael Kienzer bei Thoman.

Man ist nicht unbedingt untröstlich, die Vernissage von David Moises Ausstellung in der Grazer Galerie Patrick Ebensperger nicht miterlebt zu haben: Die Überreste erzählen bestens von der Schlammschlacht, die hier versäumt wurde. Der kontaminierte Raum darf heute nur mit blauen Plastiküberziehern an den Latschen betreten werden – ob das zum Schutz der hier so elegant weiß eintrocknenden Heilerde oder des eigenen Schuhwerks passiert, bleibt wohl vom Standpunkt abhängig. In der Mitte des Raums jedenfalls liegt noch die Heizkesselrakete, die hier mit Schlammkraft inmitten von über 100 Neugierigen gezündet wurde und sogar ein wenig abhob, bis sie kippte, sich gänzlich entleerte und schließlich verendete. Sei's drum.

Auf youtube.com findet man unter dem Stichwort Moises ein Video, das das kryptisch „Vertigo“ betitelte Experiment in freier Wildbahn noch wilder wiedergibt. Das reicht vollauf. Wer das trotzdem unwiderstehlich findet, kann die Rakete um rund 7000€ zu Hause noch einmal starten und gleich behalten.

Mehr als dieses etwas pubertär wirkende Treiben überzeugen die weniger bombastischen Bastelarbeiten des auf der Linzer Kunsthochschule sozialisierten, 1973 geborenen Innsbruckers. Eine Geburtstagstorte aus Zündkerzen ist schlicht genial. Ein „heilender Hometrainer“ steigert mit leichten Stromstößen wohl die Denkfähigkeit, um genauer zu überdenken, was man auf derartigen Geräten eigentlich tut. Ein „Videojojo“ vermittelt die mitleiderregende Kaleidoskop-Perspektive eines Kinderspielzeugs. Und am „Ego-Shooter“ – das Gimmick der Show um 70 Euro – muss man sich wohl oder übel die Finger verbrennen.

Technik- und effektbetont kommt das alles daher, wie direkt aus dem Bastelkeller. Weltbewegend ist das nicht, eher verspielt und schrullig. Vielleicht aber auch einfach nichts für Mädchen.

Mit einem ganzen anderen ästhetischen Anspruch arbeitet Michael Kienzer (*1962) – und nimmt ihn dabei gleichzeitig auch ordentlich auf die Schaufel, den Minimalismus. Vorgefertigte Alu-Teile spannt er etwa mit Gummibändern zu schrägen, desillusionierenden Konstruktionen zusammen. Ein silberner Holzhaufen entpuppt sich ebenfalls als völlig unbrennbar. Und die vierte Stütze eines quaderförmigen Alu-Gestänges ersetzt er ganz einfach durch übereinander gestapelte Bierdosen. Die Galerie Thoman zeigt einen schönen Überblick über Kienzers stilistisch konzises und konsequentes Werk, das den Witz zwar nie vergisst, ihm aber auch nie Anspruch, Optik und alles andere unterordnet.

Moises, bis 3.5., Mehlplatz 1, Graz; Kienzer, bis 29.3., Maria-Theresien-Straße 34, Innsbruck

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.03.2008)

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