Die Aktien der Deutschen Telekom, Telekom Austria, Telecom Italia und auch von Sony Ericsson büßten am Mittwoch kräftig an Wert ein.
Bonn/ Stockholm/ Mailand (ag.). Anleger, die bisher gehofft haben, dass sie mit Telekom-Werten von den Turbulenzen auf den Finanzmärkten einigermaßen ungeschoren davon kommen würden, erlebten am Mittwoch einen gehörigen Schock. Die Wurzel des Übels war einmal mehr die durch die US-Subprimekrise ausgelöste allgemeine Rezessionsangst, die auch das Geschäft der Telekomanbieter bremst.
Mit einer „echten“ Gewinnwarnung schockte der weltweit viertgrößte Handyproduzent Sony Ericsson (nach Nokia, Samsung und Motorola) die Märkte. Das schwedisch-japanische Gemeinschaftsunternehmen rechnet wegen schleppender Verkäufe und höherer Forschungsausgaben im ersten Quartal nur mehr mit einem Vorsteuergewinn zwischen 150 und 200 Mio. Euro, nachdem im Vergleichszeitraum 2007 noch 362 Mio. Euro ausgewiesen worden waren. Der Aktie des Mutterkonzerns Ericsson tat diese Ansage gar nicht gut. Das Papier verlor in Stockholm zeitweilig um mehr als zehn Prozent an Wert und riss die Aktie des Konkurrenten Nokia in Helsinki gleich mit. Nokia verlor mehr als zwei Prozent.
Eine „versteckte“ Gewinnwarnung löste bei der Deutschen Telekom einen schweren Kursrutsch aus. Der deutsche Konzern kämpft – so wie die Telekom Austria – mit einem massiven Kundenschwund im Festnetz. Deshalb kündigte der zuständige Vorstand Timotheus Höttges an, man rechne 2008 mit einem Umsatzrückgang von vier bis sechs Prozent. Das Betriebsergebnis werde um fünf bis acht Prozent sinken. Schon 2007 verringerte sich der Umsatz in der Festnetzsparte um acht Prozent auf 22,7 Mrd. Euro und das Ebit (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) um 14 Prozent auf 7,8 Mrd. Euro.
Der Kurs der Deutschen Telekom (DT) brach daraufhin auf den niedrigsten Stand seit 2003 ein und lag zeitweise unter zehn Euro. Zurück blieben ratlose Manager. Konzernsprecher Stephan Broszio sagte „es ist unerklärlich, denn es gibt keine neuen schlechten Nachrichten – im Gegenteil“. Die Prognose für 2008 habe sich seit der Bilanzpressekonferenz nicht geändert. Als gute Nachricht bezeichnete er offenbar die Aussage von Höttges, dass die DT der Schrumpfung mit dem Ausbau von schnellem Internet und einem Sparprogramm entgegen wirken möchte, das heuer rund eine Mrd. Euro bringen soll. Möglicherweise habe es bei einem Investorentag des Unternehmens in Bonn Missverständnisse gegeben, meinte Broszio.
Frisches Kapital für Italiener?
In den Sog der Deutschen Telecom kam nicht nur die Telekom Austria (TA), deren Aktie um fast fünf Prozent einbrach. Wobei auch die deutliche Kürzung des Kurszieles von 25,30 auf 17,50 durch JP Morgan eine Rolle spielte. Auch die Telecom Italia erwischte es kräftig – allerdings spielten dort Gerüchte über eine mögliche Kapitalerhöhung des hoch verschuldeten Konzerns eine Rolle. Kurzzeitig wurde die Aktie der Italiener vom Handel ausgesetzt. Die TI verlor gut sieben Prozent.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.03.2008)