Kulturpolitik, dein Name ist Hase

Trauertragen am Karfreitag, dazu gibt es 2008 in Österreich auch in der Kunst einige Gründe.

Eine symbolische Grabtragung etwa ist aus Salzburg zu vermelden: Da wurde am Dienstag endgültig lächerlich gemacht, was ein Avantgarde-Festival für zeitgenössische Kunst sein soll. Es begann damit, dass sich 2006 das von Max Hollein mitkuratierte „kontra.com“-Festival selbst ad absurdum führte, als dem Schweizer Künstler Christoph Büchel seine provokante Aktion eines Volksbegehrens gegen zeitgenössische Kunst entglitt und zum ärgerlichen Selbstläufer wurde.

Ein Danaer-Osterei: Denn die nach all dem Ärger von Hans Landesmann neu gegründete „Salzburg Biennale“, die 2009 erstmals stattfinden soll, legt ihr Bildendes-Kunst-Schicksal jetzt vollends in die Hände eines einzigen Galeristen, Thaddaeus Ropac, der bereits ankündigte, seine Künstler zu featuren. Diese Affirmation an den Kunstmarkt mag zwar „am Puls der Zeit“ sein, was die Biennale sein will – aber wohl nicht so gemeint hat. „Weitere Räume für bildende Kunst werden noch gesucht“, entschuldigte sich Landesmann. „Im Museum der Moderne habe ich aber nicht einmal einen Termin bekommen.“ Frohe Ostern!

So weit entfernt von der Provinz ist Wien aber auch wieder nicht. Zwar traut sich hier kein Museum, acht Monate lang eine Privatsammlung zu zeigen, wie es das Grazer Kunsthaus zurzeit mit Francesca Habsburgs Kollektion macht. Dafür verzichtet das MAK heuer bis Dezember überhaupt auf neue große Ausstellungen in der großen Halle.

Das könnte sich das KHM nicht erlauben. Dafür wiegt sich der scheidende Direktor hier in einer seltsamen Hassliebe zur Quote: Um die gehe es ihm nämlich überhaupt nicht, beteuert er. Und setzt in seinem letzten Jahr die kommerzielle Tutanchamun-Schau aufs Programm. Die Schlangen vor dem Völkermuseum verhalten sich bisher allerdings auffällig ephemer. Ähnlich wie der neue KHM-Direktor. Laufen die Hearings bereits? Kennt die Ministerin überhaupt die Bedeutung dieser drei Buchstaben? Oder stand das noch nicht am Lehrplan? Kulturpolitik, dein Name ist Hase.


almuth.spiegler@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2008)


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