MEL-Deal: "Ideal für Meinl Bank, für MEL ist er das Gegenteil"

(c) (Michaela Bruckberger)
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Für die Auflösung von Verträgen soll die Meinl Bank 280 Mio. Euro "Belohnung" erhalten. Anlegerschützer sprechen von einer "Provokation für viele Anleger".

Der Verkauf der Immobiliengesellschaft Meinl European Land (MEL) an eine Tochter der Citibank sowie den israelischen Immobilieninvestor Gazit-Globe stößt auf äußerste Skepsis bei den Kleinanlegern. Der Chef des Interessenverband für Anleger (IVA) sagte, die privaten Anleger seien "sehr frustriert und verunsichert". Der Deal biete in erster Linie den neuen Investoren eine günstige Gelegenheit für den Einstieg. Dass für die Auflösung von Verträgen auch noch Geld an die Meinl Bank fließen solle, empfänden "viele Anleger als Provokation".

Investoren profitieren, Kleinanleger nicht

Ähnlich äußerte sich auch Alexander Proschofsky vom Austria Börsebrief: "Der Deal ist unserer Einschätzung nach sicherlich ideal für die Meinl Bank und die (bisherige externe MEL-Managemengesellschaft) MERE. Für MEL ist er das Gegenteil", erklärte er in einem Internetkommentar.

Meinl European Land solle Schadensersatzforderungen gegenüber der Managementgesellschaft MERE und der Meinl Bank prüfen oder versuchen, den Managementvertrag aus wichtigem Grund sofort zu kündigen, so Proschofsky. Stattdessen wird Meinl European Land nach dem gestern vereinbarten Deal für die Auflösung von bestehenden Verträgen mit Meinl Bank und MERE laut Proschofsky auch noch 280 Mio. Euro bezahlen: 160 Mio. Euro in Cash, den Rest in Form von Wandelschuldverschreibung mit einem Kupon von 10,75 Prozent und MEL-Zertifikaten zu einem Bezugspreis von 7 Euro.

Auch Alexander Hodosi, Analyst der UniCredit Investmenttochter CAIB ist der Ansicht, dass der MEL-Teilverkauf der Meinl Bank und den neuen Investoren nützt. Diese bekämen "ein sehr gutes Portfolio an Immobilien zu einem derzeit sehr günstigen Preis", sagt der Analyst laut ORF Teletext. Allerdings ist er optimistischer: Kleinaktionäre könnten ebenfalls profitieren, da der Einstieg den Sinkflug der MEL-Papiere vermutlich stoppen werde.

280 Mio. Belohnung für Meinl Bank "unverständlich"

Auch Rasinger sagt dazu, aus dem über die MERE gesteuerten nachträglich bekanntgeworden Aktienrückkauf im vergangenen Jahr sei "ein wirtschaftlicher Nachteil von je nach Berechnung 400 Mio. Euro bis über eine Mrd. Euro" entstanden. Dass es dafür noch 280 Mio. "Belohnung" geben solle, sei "unverständlich".

Vielmehr solle der Aufsichtsrat prüfen, ob es nicht ausreichend Kündigungsgründe für den Managementvertrag gebe. Außerdem verlangt er, dass MEL auch sofort die Gebührenzahlung für die Verwendung des "mehr als angekratzten Namens Meinl" einstellen solle.

Von Zeichnungsmöglichkeiten für die bestehende Aktionäre bei der geplanten 300 Mio. Euro schweren Kapitalerhöhung hält der Kleinanlegervertreter nichts. Die privaten Anleger würden sich vielmehr ein Übernahmeangebot zum Vermögenswert (Net Asset Value) - zuletzt mit 15,15 Euro beziffert - oder zum vorjährigen Rückkaufkurs von 19,93 bzw. 20,78 Euro pro Stück erwarten.

"Bisher nur eingezahlt und Risiko getragen"

Stattdessen werde von den Anlegern "nach all der Frustration" verlangt, dass sie im Gegenteil noch einmal "zusätzliches Geld" nachschießen sollten. Man könne davon ausgehen, dass kaum einer der privaten Anleger, die bisher bei MEL "nur eingezahlt, keine Verzinsung erhalten und Risiko getragen" hätten, bereit sein werde, das Angebot anzunehmen. Für den neuen Miteigentümer Gazit-Globe, der sich verpflichtet hat, die Kapitalerhöhung zu tragen ("underwriting"), ergebe sich daraus lediglich die Möglichkeit, günstig einzusteigen.

Rasinger glaubt, dass Meinl bei der Hauptversammlung den Deal mit dem Druckmittel durchsetzen könnte, dass im Zuge dessen auch die umstrittenen Partly Paid Shares (PPS) aufgelöst werden. Obwohl mit Stimmrechten ausgestattet, hätten die Zeichner für die Papiere, die nicht an der Börse gehandelt werden, bisher nur einen Minimalbetrag eingezahlt. Die PPS-Eigentümer sind nach wie vor unbekannt. Rasinger verlangt, dass die PPS "sofort und bedingungslos" eingezogen werden und auf der Hauptversammlung keine Stimmkraft mehr haben. (Ag.)

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