Bedarf sinkt durch Priestermangel und neue Lebensstile – auch das traditionelle Bild der im Pfarrhaus lebendenden Köchin hat sich gewandelt.
Pfarrhaushälterin“. Dieser Titel findet sich auf einer Broschüre, die Anfang März auf der „Best“, Österreichs größter Bildungsmesse in der Wiener Stadthalle, an einem Stand für kirchliche Berufe auflag. Eine Perspektive für junge Frauen und Mädchen, die sich auf der Messe nach Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten umschauten? Vermutlich nicht, denn die Arbeitsmöglichkeiten sind eher im Schwinden.
Rund 1300 Mitglieder zählt man bei der Berufsgemeinschaft der Pfarrhaushälterinnen. Darüber, wie viele es früher gab, liegen keine Zahlen vor. Dass es immer weniger werden, liegt aber auf der Hand. Zum einen gibt es immer weniger Priester (siehe Seiten 2, 3), zum anderen geht der Trend zum Single-Haushalt an Geistlichen nicht vorbei.
Auch das Berufsbild selbst hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt. „Das klassische Modell gibt es fast nicht mehr“, sagt Susanne Kopeszki, Schriftführerin der Berufsgemeinschaft. Längst sind jene Haushälterinnen, die gemeinsam mit einem Pfarrer unter einem Dach wohnen, in der Minderheit. Die meisten leisten ihre Arbeit im Pfarrhaushalt und gehen abends nach Hause. Viele sind verheiratet, geschieden, verwitwet – und einige haben auch Kinder.
Mit anderen Männern, nicht mit dem Pfarrer, natürlich. Das mag zwar vorkommen, doch wird darüber nicht gesprochen. Schon Soziologe Roland Girtler, der 2005 für sein Buch „Pfarrersköchinnen“ recherchierte, stieß hier auf eine Mauer des Schweigens. Nur einen Fall fand er vor, in dem eine Pfarrhaushälterin eine sexuelle Beziehung zu ihrem Dienstgeber zugab.
„Gerüchte und Unterstellungen gibt es überall“, sagt Susanne Kopeszki. „Mein Chef“, wie sie den Pfarrer nennt, fahre zwar mit ihr gemeinsam auf Urlaub, doch sei er „so etwas wie ein großer Bruder“. Seit 1976 lebt und arbeitet sie als Haushälterin mit ihm in Wien zusammen. Er hatte sie einfach gefragt, ob sie sich die Arbeit bei ihm vorstellen könnte. Ein Angebot, das die damals 25-Jährige annahm – wenn sie auch noch einige Jahre ihrem gelernten Beruf nachging und an einer Hauptschule unterrichtete.
Keine Berufsausbildung
Vom Pfarrer gefragt zu werden, ist auch der übliche Weg, in den Beruf einzusteigen. Eine Ausbildung ist nicht notwendig, nicht einmal bestimmte Qualifikationen sind Voraussetzung. „Wenn der Pfarrer sagt, ,Ich trau dir das zu', reicht das“, sagt Kopeszki. Als sie begann, konnte sie nicht einmal kochen. Das lernte sie aber mit Hilfe eines Schulkochbuchs. Apropos Kochbuch: Unter dem Titel „Rezepte aus dem Pfarrhaushalt“ hat die Berufsgemeinschaft schon zwei Rezeptsammlungen herausgebracht. Neben dem Kochen gliedert sich der berufliche Alltag in weltliche Tätigkeiten wie Bügeln, Putzen, Organisieren und seelsorgerische Tätigkeiten. Dazu gehört etwa das Vorbeten des Rosenkranzes aber auch die Organisation von Veranstaltungen in der Pfarre – von Bibelrunden für Senioren bis zu Damengymnastik. Die Dienstzeiten sind dabei nach dem Hausangestelltengesetz geregelt, doch „Dienst und Freizeit lassen sich schwer trennen“, so Kopeszki. Aber meist lasse sich das mit dem Pfarrer, der die Haushälterin direkt anstellt und von seinem Gehalt bezahlt, gut individuell regeln.
Persönlicher Kontakt zählt
Und dennoch, junge Frauen sind als Berufseinsteigerinnen heute selten. „Die meisten fangen mit 40 bis 45 Jahren in einer Pfarre an“, erzählt Kopeszki. Oft ist auch der Verlust des vorhergegangenen Jobs die Initialzündung für den Berufswechsel. Und auch hier läuft nichts über eine offizielle Stellenvermittlung, sondern ausschließlich über persönlichen Kontakt mit dem Pfarrer. Daraus ergibt sich auch eine Voraussetzung, die man doch braucht, um Pfarrhaushälterin zu werden: „Man muss schon ein religiöses Interesse haben“, meint Kopeszki, „sonst ist man hier falsch.“
BERUF IN KÜRZE
Rund 1300 Pfarrhaushälterinnen arbeiten derzeit in österreichischen Pfarren.
Arbeitgeber ist der Pfarrer selbst, der seine Haushälterin auswählt und bezahlt. Von der (Erz)Diözese gibt es einen Zuschuss.
Teilzeit: Viele Haushälterinnen arbeiten nur mehr im Pfarrhaus, wohnen aber nicht mehr mit dem Pfarrer unter einem Dach.
www.bg-phh.org("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.03.2008)