Immofonds für vorsichtige Anleger

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Mit Immoaktien hat man zuletzt stark verloren, mit Immofonds leicht gewonnen.

Wien (b.l./dom).Für konservative Anleger, die trotz der angespannten Situation an den Finanzmärkten nicht nur auf das biedere Sparbuch setzen und auch noch einen Schutz vor der steigenden Inflation suchen, bieten sich Immobilienfonds als Alternative an.

Bisher gab es auf dem heimischen Markt vier Anbieter: die BA-CA Real Invest mit zwei Fonds, die Raiffeisen KAG, die Immo KAG des Volksbankensektors sowie die zur Constantia Bank gehörende CPB Immobilien KAG. Ab heute, Dienstag, legt die Erste Immobilien KAG ihren ersten offenen Immobilienfonds zur Zeichnung auf. Der neue Fonds soll netto 3,7 bis 4,7 Prozent Ertrag pro Jahr bringen, sagte Franz Gschiegl, Geschäftsführer der Erste-Sparinvest, bei der Präsentation.

Dass mittlerweile praktisch alle Sektoren der heimischen Kreditwirtschaft Immobilienfonds anbieten, kommt nicht nur dem Publikumsinteresse, sondern auch den Banken selbst entgegen. Risikoreiche Produkte, die den Filialen saftige Provisionseinnahmen versprechen, sind angesichts der Börsenkrise derzeit kaum an den Mann zu bringen. Verkaufen die Filialen nur Sparbücher, bleiben die Provisionserträge entsprechend mager.

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Rendite klein, aber positiv

In den vergangenen Jahren hatten sich die offenen Immobilienfonds oft anhören müssen, dass die Performance von drei bis sechs Prozent pro Jahr mager sei und man mit Immobilienaktien deutlich mehr verdienen könne. Im Vorjahr war die Performance der offenen Immobilienfonds noch immer mager (siehe Grafik), jene der Immobilienaktien war aber negativ. So konnten Immobilienfonds-Anleger in Österreich ihr Geld um 4,8 Prozent vermehren. Mit Immobilienaktien wie Immofinanz, Immoeast oder Meinl European Land hätte man im gleichen Zeitraum 30 bis 50 Prozent verloren.

Der Grund: Immobilienfonds investieren nicht in Aktien, sondern direkt in Immobilien. Ihr Preis wird nicht an der Börse gemacht, sondern spiegelt den Wert der erworbene Objekte wider. Ihre Erträge erzielen diese Fonds überwiegend aus der Vermietung. Marktführer BA-CA Real Invest etwa erwirtschaftet 70 Prozent der Erträge aus Mieten, 15 Prozent sind Zinserträge und weitere 15 Prozent Aufwertungen. Da die Mieten meist mit einer Indexklausel versehen sind, bieten Immobilienfonds auch einen Schutz vor der Inflation.

Börsenkrisen können den Immobilienfonds wenig anhaben, lediglich starke Preiseinbrüche bei Immobilien oder Mietrückgänge – wie es sie in Österreich derzeit nicht gibt– wären ein Problem.

Anders verhält es sich mit Immobilienaktienfonds: Diese investieren nicht in Gebäude, sondern in Immobilienaktien. Brechen die Kurse ein, verliert man. Wer vor einem Jahr sein Geld in solche Fonds in Deutschland, Österreich und der Schweiz gesteckt hat, hat laut Finance & Ethics Research mehr als 20 Prozent verloren.

Im Zweijahresvergleich war man mit Immoaktienfonds aber schon etwas besser dran als mit Immobilienfonds, nur mit Immobilienaktien hat man noch immer draufgezahlt. Im mehrjährigen Vergleich schneiden sowohl Immobilienaktien als auch Immobilienaktienfonds besser ab als die Fonds.

Besonderes starker Nachfrage erfreuen sich Immobilienfonds in Österreich allerdings nicht. Das Vermögen, das in heimischen Immobilienfonds liegt, beträgt 1,83 Mrd. Euro. Auch Gschiegl setzt die Erwartungen relativ bescheiden an. Der Erste Immobilienfonds soll bis Ende 2008 ein Volumen von 70 bis 100 Mio. Euro haben. Die Immobilienaktiengesellschaften haben dagegen in den vergangenen Jahren jedes Jahr mehrere Milliarden schwere Kapitalerhöhungen an der Börse durchgeführt. Immerhin: Mit einem Zuwachs von mehr als zehn Prozent haben die Immobilienfonds im Vorjahr aber deutlich mehr Gelder anziehen können als andere Fonds.

Andere Zielgruppe

Dass Anleger Immobilienaktien verkaufen und auf Immobilienfonds umsteigen, glaubt Dietmar Rupar von der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG) nicht: „Das ist eine andere Zielgruppe“, meint er.

Als Kurzfristinvestment eignen sich Immofonds kaum: Der Ausgabeaufschlag beträgt etwa drei Prozent. Ein Jahr muss man sein Geld liegen lassen, um diesen wieder hereinzubekommen. Immobilienfonds sind damit ein Produkt für konservative Langfristinvestoren.

AUF EINEN BLICK

Immobilienfonds bieten Schutz vor Inflation und sind – anders als Immobilienaktien – von den Kursschwankungen der Börsen abgekoppelt.

Vier Fonds wurden bisher in Österreich angeboten. Ihre Performance p. a. lag zuletzt zwischen 3,49 Prozent beim Raiffeisen-Immobilienfonds und 5,97 Prozent beim Constantia Real Estate.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.03.2008)

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