Julius, der Wertvernichter

Einmal muss ja Schluss sein mit dem Spenden für arme Milliardäre.

Es war wohl nicht anders zu erwarten: Auch beim Verkauf der MEL werden die Familie Meinl sehr gut und die neuen Eigentümer ziemlich gut bedient. Die, die das Geld für diesen Meinl-Bankomaten zur Verfügung gestellt haben, die vielen MEL-Kleinanleger, bleiben wieder einmal auf der Strecke. Ihnen beschert der große Wertvernichter aus dem Hause Meinl nach der kurszerstörenden Rückkaufaktion des Vorjahres zum Abschied noch eine kräftige Verwässerung ihrer Zertifikate.

Das ist jetzt das dritte Mal innerhalb weniger Jahre, dass kleine Leute draufzahlen, weil sie in einem Anfall von Nostalgie geglaubt haben, wo der einstmals seriöse Name Meinl draufsteht, müsse so etwas wie Anstand drin sein.

Pech gehabt, teures Lehrgeld bezahlt. Ragusa, MEL-Rückkauf, MEL-Verkauf, aber auch MAI und MIP: Wer bisher in börsenotierte Meinl-Aktien oder -Zertifikate investiert hat, kann sich zwar in dem Gefühl suhlen, den Wohlstand der Familie Meinl erhöht zu haben. Aber die Verzinsung seines Kapitals kann er vergessen.

Dass die teilweise mit Junk-Status versehenen Produkte (bei MEL ist die Verzinsung der Wandelanleihe ein klares Indiz für diesen Status) aus dem Hause Meinl so aggressiv in den Markt gedrückt werden konnten, bringt natürlich auch Fragen über Motivation und Qualifikation so mancher Berater und „Strukturvertriebler“ auf den Tisch. Aber das ist eine andere Geschichte, die auch noch aufgearbeitet gehört.


Jetzt fragen sich MEL-Anleger freilich, was sie nun machen sollen. Auf jeden Fall einmal zur Hauptversammlung im Mai gehen und dort dem MEL-Management sagen, was man von der Sache hält. Und bei künftigen Investitionsentscheidungen einfach schauen, ob Meinl drauf steht oder drin ist. Einmal muss es ja auch genug sein mit dem Spenden für arme Milliardäre.

Und die heimischen Behörden könnten sich endlich einmal überlegen, ob wirklich jedes Finanz-Vehikel aus einem windigen Steuerparadies an der hiesigen Börse notieren muss. Denn wir haben ja auch bei der kommenden MEL-Hauptversammlung die eigentlich absurde Situation, dass sich ein österreichisches Unternehmen mit fast ausschließlich österreichischen Anlegern nach Jersey-Recht aus allen möglichen Verpflichtungen hinauswinden kann.


josef.urschitz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2008)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.