Der Werbespot mitten im Geschehen

Moderne Technik verknüpft Werbung am Point of Sale mit Infotainment-Angeboten.

Der Fußball-EM kann man nicht entkommen! Selbst wer Stadion, Fanmeile und Public Viewing Areas meidet, wird beim Einkaufen, in der Apotheke oder bei einem Imbiss im Fastfood-Restaurant permanent mit den aktuellen Spielständen der Euro 2008 konfrontiert werden. Der Preisverfall bei den Flachbildschirmen und immer schnellere Netzwerkverbindungen ermöglichen eine raffinierte Mischung aus Information und Werbung am „Point of Sale“, also direkt dort, wo die Ware verkauft wird.

Auch für kleine Handelsketten

„Die Systeme sind inzwischen so erschwinglich geworden, dass es sich auch für kleinere Ketten lohnt, ein eigenes Netzwerk aufzubauen“, sagt Marcus Hebein, der bei der Austria Presse Agentur das Profit-Center Multimedia leitet und mit Partnern dafür sorgt, dass über die Infoscreens am Point of Sale neben den unternehmenseigenen Inhalten auch redaktionell aufbereitete Nachrichten, Service-News und Businessinformationen laufen – und so das Interesse der Endkunden auf die Werbung lenken.

Je nach den örtlichen Gegebenheiten erfolgt die Anbindung der Bildschirme an PC oder Server über ein herkömmliches Ethernetkabel, über Wlan oder gleich über das Internet, wenn die Bildschirme in mehreren Filialen zentral verwaltet werden sollen. Die Lösung von Kapsch etwa, mit der unter anderem die Casinos Austria multimedial versorgt werden, unterstützt 61-Zoll-Plasmaschirme und Projektoren ebenso wie 19-Zoll-Monitore – jeder Inhalt, der auf einem PC dargestellt werden kann, lässt sich auch am Point of Sale eindrucksvoll präsentieren. Der Content setzt sich aus TV-Programmen, Newsfeeds, Powerpoint-Präsentationen und Videos zusammen. Noch werden die meisten Lösungen individuell erstellt wie etwa für den neuen Intersport-Eybl-Megastore in Innsbruck, der von Lackner Mediasystems mit zehn Bildschirmen plus Beschallungsanlage ausgestattet wurde, über die die Kunden nun zwischen Verkaufsinformationen zielgruppengerecht mit rasanten Sportvideos und Musik unterhalten werden.

Nicht ohne Marketingstrategie

„Digitale Signage, wie diese Werbeform genannt wird, darf allerdings nicht als Selbstzweck, sondern muss als Teil der Markenführung gesehen werden“, warnt Geschäftsführer Udo Lackner, der ähnliche Projekte unter anderem bei McDonald's und bei Mediamarkt verwirklichte. Bunte Bildchen allein bringen nichts, wenn das neue Medium nicht in die gesamte Marketingstrategie eingebunden wird.

Dank Internet kennt Digital Signage kaum Grenzen. So verteilt etwa Grassfish ein Corporate-TV-Programm an 150 Apotheken in ganz Österreich. Thomas-Peter Fischer, der mit seinem Unternehmen in ganz Europa aktiv ist, setzt bei der Verwirklichung derartiger Projekte auf „Plug and play“ und „Drag and drop“: Durch eine möglichst einfache Benutzerführung können die Inhalte nicht nur zentral von einer Marketingabteilung kontrolliert werden, der Leiter einer Filiale hat auch die Möglichkeit, auf seinem Screen individuelle lokale Informationen einzubinden. „Dank eines dynamischen Datenmanagements können so spezifische Sonderangebote realisiert werden“, schildert Fischer. „Wenn etwa am nächsten Tag in einer Filiale eine größere Menge Bananen abläuft, können diese gezielt beworben werden.“

In nicht allzu ferner Zukunft, so Hebein, wird es die multimediale Verkaufsunterstützung „von der Stange“ zu kaufen geben, was dann auch Einzelunternehmen die Möglichkeit bieten wird, ihre Kunden im Geschäftslokal mit einer Mischung aus News, allgemeinen Informationen und eigenem Content zum Einkauf zu animieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2008)

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