Großer Gönner, kleiner Sparer

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Flöttl klagt im Rahmen des Bawag-Prozesses über Geldnot - „Ich laufe out of money“ - und Verfahrensdauer.

WIEN. Wolfgang Flöttl hat seine Hausaufgabe gemacht. Über Ostern sollte der 52-jährige Investmentbanker im Auftrag des Strafgerichts ausrechnen, wie viel Geld er seinerzeit durch Übernahme von „Russland-Forderungen“ verloren hat. Flöttl: „Der Schaden betrug 57 Mio. US-Dollar.“

Diese Summe sei entstanden, nachdem er der Bawag, also der von seinem Vater Walter Flöttl geleiteten Bank, 1991 die erwähnten – wohlgemerkt notleidenden – Forderungen gegen Russland um 80 Mio. US-Dollar abgekauft hatte. Er erwies damit der Bank einen großen Dienst, zumal diese keine Wertberichtigung für die notleidenden Forderungen in ihrer Bilanz vornehmen musste – und nach außen glänzen konnte.

Im Gegenzug bekam Flöttl von der Bank Milliarden-Schilling-Kredite, um sieben Jahre lang mit dem Geld spekulieren zu können. Die 80 Mio. Dollar, die er für die schwächelnden Russland-Forderungen hinblätterte, sah Flöttl als eine Art „Gebühr für die Zurverfügungstellung“ der Kredite.

„Mir ist es gut gegangen“

Da aber schon zwei Jahre nach dem „Russland-Deal“ die Karibik-Geschäfte der Bawag („Karibik I“) aufflogen und rückgeführt werden mussten, hatte Flöttl die Milliarden-Kredite zu retournieren. Flöttl: „Ich habe für sieben Jahre Gebühr bezahlt, musste aber nach zwei Jahren zurückzahlen.“ Fünf Siebentel der 80-Mio-Dollar-„Gebühr“, hätte er demnach von der Bawag zurückfordern können. Eben 57 Mio. US-Dollar.

Richterin Claudia Bandion-Ortner: „Warum haben Sie nichts unternommen, um den Verlust wettzumachen?“ Flöttl: „Sollte ich meinen Vater vor Gericht zerren? Es ist mir gut gegangen. Die Bank hat ja nichts Böses gemacht, sie musste die Karibik-Geschäfte unter Druck der Medien rückgängig machen.“

Tempora mutantur: Konnte es sich Flöttl damals leisten, gönnerhaft auf 57 Mio. zu verzichten, so muss er heute sparen. Etwa bei seinen Anwälten – so sagt er. Das Anwalts-Duo, das er aufbietet, gehört zweifellos zur absoluten Oberliga des Standes: Hier der altgediente Strafverteidiger-Fuchs Herbert Eichenseder, da der kühl analysierende Bank- und Kapitalmarkt-Experte Christian Hausmaninger. Dass die beiden für ihren Schützling (die Anklage lautet auf Untreue) nicht unentgeltlich in den Ring steigen, versteht sich von selbst. Ob Flöttls Finanzen bald ausgereizt sind, bleibt im Dunklen, jedenfalls sagt er am Dienstag: „Ich laufe out of money.“

Es ist die überlange Verfahrensdauer (Prozessbeginn: Juli 2007), die Flöttl im Magen liegt: „Ich sitze jetzt zehn Monate hier“, klagt er und spricht damit auch so manchem anderen der insgesamt neun Angeklagten aus der Seele. Und er erinnert daran, dass er – um Zeit zu sparen – ohnedies nur noch die Fragen des Gerichts und der Anklage beantwortet. Jene der Verteidigung von Helmut Elsner wolle er geflissentlich ignorieren.

„Ich kann mir den Hausmaninger nicht mehr leisten“, ergänzt Flöttl mit Blick auf die Verteidigerbank – „ich hab jetzt einen 25-jährigen Anwalt hier.“ Tatsächlich: Neben Eichenseder sitzt ein Jurist aus dem Nachwuchs der Kanzlei-Gemeinschaft „Hausmaninger/Kletter“. In einer Prozesspause räumt Flöttl aber ein: Hausmaninger habe immer noch das Mandat, komme aber nicht mehr zu jedem einzelnen Bawag-Prozesstag.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2008)


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