Alles völlig entpolitisiert ...

In heimischen Staatsbetrieben rollen die Köpfe. Die Großparteien sind nämlich gerade dabei, Schlüsselpositionen neu zu verteilen.

In den Chefetagen prominenter österreichischer Staatsbetriebe wird dieser Tage ordentlich gezittert. Das gilt vor allem für die ÖBB. Kein Wunder. Zentralbetriebsrat und SPÖ-Gewerkschafter Wilhelm Haberzettl ist schließlich gerade dabei, sich seine neuen Chefs auszusuchen. Erst vor wenigen Wochen hat der von der Gewerkschaft kaum geliebte Vorstand der Sparte „Personenverkehr“, Stefan Wehinger, angekündigt, die ÖBB zu verlassen. „Freiwillig“ versteht sich. Nun ist Finanzvorstand Erich Söllinger an der Reihe.

Sein Pech: Er hat schwer verunglückte Spekulationen auf dem US-Finanzmarkt mit einem Buchverlust von 150 Millionen Euro zu verantworten. Das dürfte aber nicht das Kernproblem sein. Schließlich sind diese nicht realisierten Verluste seit einem halben Jahr bekannt. Schwerer wiegt, dass Söllinger keine Freunde im ÖBB-Betriebsrat hat, um es einmal vorsichtig zu formulieren. Wie Wehinger hat auch er das falsche Parteibuch. Ein Umstand, der sich bei wechselnden Regierungen durchaus karrierebremsend auswirken kann. Vor allem, wenn die Große Koalition Schlüsselpositionen der Staatswirtschaft neu verteilt.

Während in der „roten“ Bahn nur die „schwarzen“ Vorstände in der Kritik stehen, fällt beim „schwarzen“ Stromproduzenten Verbund auf, dass dort ausschließlich „roten“ Vorständen das Zeug zum künftigen Chef fehlen soll. Entscheidend ist freilich, dass alle Vorstände in Staatsbetrieben politisch zuordenbar sind. Wie das halt so ist, in einer völlig entpolitisierten Wirtschaft. (Bericht: S. 19)


franz.schellhorn@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2008)

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