Ex-Bawag-Chef soll OeNB-Gouverneur, Böhler-Boss Raidl Präsident werden.
Wien (dom). Im dritten Anlauf dürfte es Ewald Nowotny schaffen: Bereits zweimal hatte sich der Ex-Chef der Bawag, der derzeit wieder als WU-Professor tätig ist, vergeblich um einen Spitzenjob in der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) beworben. Zuletzt hatte er 2003 gegenüber dem damaligen Grasser-Sekretär Josef Christl den Kürzeren gezogen. Dass Nowotny der bestgereihte Kandidat war, zählte nicht. Nach dem Friedensschluss der Koalitionsparteien steht es nun so gut wie fest, dass Nowotny am 1. September 2008 neuer Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) wird.
Nowotny gehört bereits dem Generalrat (entspricht dem Aufsichtsrat) an und wäre der erste Sozialdemokrat an der Spitze der Notenbank. Klaus Liebscher (VP-nahe) der amtierende Gouverneur, geht Ende August in Pension.
In der Notenbank laufen im Sommer alle vier Vorstandsmandate aus. Die Bewerbungsfrist endete am 14. März. Ende April wird der Generalrat für jeden der vier Direktoriumsposten einen unverbindlichen Dreier-Vorschlag ausarbeiten. Die endgültige Entscheidung trifft dann die Regierung, sie wird voraussichtlich im Mai über die Bühne gehen.
Ittner statt Christl
Die Vorstandsmandate von Vizegouverneur Wolfgang Duchatczek (VP) und Direktor Peter Zöllner (SP) dürften um weitere fünf Jahre verlängert werden. Der vierte Vorstandsposten geht vermutlich an Andreas Ittner, den Direktor der OeNB-Hauptabteilung Analyse und Revision, der dem bürgerlichen Lager zugerechnet wird. Josef Christl hat, so hört man, nur noch minimale Chancen auf eine Vertragsverlängerung.
Neu besetzt wird in der Notenbank auch die Spitze des Generalrates. Präsident Herbert Schimetschek und sein Vize Manfred Frey scheiden aus Altersgründen aus. Bis vor wenigen Wochen schien es beschlossene Sache, dass Liebscher Schimetschek ablöst. In Banken ist es seit heuer nicht mehr zulässig, dass ein Generaldirektor nahtlos in den Aufsichtsrat wechselt. Für die Notenbank gilt diese Bestimmung nicht, Liebscher selbst erklärte aber vor wenigen Wochen, dass er für die Schimetschek-Nachfolge nicht zur Verfügung stehe.
Als Notenbank-Präsident ist nun Böhler-Uddeholm-Generaldirektor Claus Raidl im Gespräch. Nach der politischen Farbenlehre, die in der Notenbank nach wie vor gilt, wäre der bürgerliche Raidl das passende Pendant für den Sozialdemokraten Nowotny. Als mögliche Vizepräsidenten gelten AK-Direktor Werner Muhm und der frühere Chef der Postsparkasse, Max Kothbauer, (beide SP-nahe).
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2008)