Nussbaumer: Fünf von sechs Geiseln als Leichen gefunden

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Eine Person wird noch immer vermisst. Es wird aber immer unwahrscheinlicher, dass der Oberösterreicher Bert Nussbaumer seine Entführung überlebt hat.

Washington/ Wien. Amerikanische Ermittler haben die Leichen von insgesamt fünf Personen gefunden, die Ende 2006/Anfang 2007 im Irak entführt worden waren. Eine Person ist immer noch vermisst – und eine Leiche konnte am Donnerstag zunächst nicht identifiziert werden. Doch es wurde immer unwahrscheinlicher, dass der Oberösterreicher Bert Nussbaumer (26), der sich in der Gruppe der Entführten befand, noch am Leben ist.

Die Leichname wurden bei der südirakischen Stadt Basra gefunden, nicht weit von dem Ort entfernt, wo der Überfall stattgefunden hatte.

Überfall an falschem Checkpoint

Fünf Mitarbeiter der US-Sicherheitsfirma Crescent Security Group – vier Amerikaner und Nussbaumer – waren am 16.November 2006 im Südirak entführt worden. Sie hatten einen Konvoi von 37 Lkw bewachen sollen. Rund 40 Angreifer, manche von ihnen in Anzügen oder irakischen Polizeiuniformen, hatten den Konvoi an einem vorgetäuschten Checkpoint überfallen.

Ein weiterer US-Bürger, der für den Sicherheitsdienstleister JPI Worldwide arbeitete und im Jänner 2007 entführt wurde, wurde offensichtlich gemeinsam mit der Gruppe festgehalten. Bei dem Mann handelt es sich um Ronald J. Withrow (40) aus Texas, dessen Tod von der US-Bundespolizei FBI bereits bestätigt wurde.

Ebenfalls identifiziert sind aus Nussbaumers Gruppe die Leichname von deren Chef John R. Young aus Missouri (44), Joshua Munns aus Redding in Kalifornien (25) und Paul Johnson-Reuben aus Buffalo, Minnesota (41).

Über die Identität der fünften, noch nicht zugeordneten Leiche wollte man beim FBI am Donnerstag nichts sagen. Auch im Außenamt in Wien hieß es, der Leichnam sei noch nicht identifiziert. Man könne daher über Nussbaumer „weiterhin keine gesicherten Informationen weitergeben“.

Gebete für den Sohn

Die Leichen befinden sich zurzeit in den USA. Das bedeute aber nicht, „dass alle US-Staatsbürger sind“, meinte FBI-Sprecherin Debbie Weirman. Ob demnach einer der Toten österreichischer Staatsbürger ist? „Nein, das heißt es auch nicht. Wir sind derzeit noch mit der Identifizierung beschäftigt.“

Cote und Nussbaumer sind die Einzigen, deren Tod noch nicht bestätigt ist. Die Familie von Jonathon Cote erklärte am Donnerstag, dass die noch nicht identifizierte Leiche nicht die von Jonathon sei. Behörden hätten das ihnen gegenüber ausgeschlossen. Man ersuche daher weiter um Unterstützung und um Gebete für den Sohn, sagte Vater Francis Cote.

Die Familie von Johnson-Reuben sagte in einer Erklärung, man habe 16 Monate lang gehofft und sei jetzt zutiefst erschüttert über die Nachricht. Johnson-Reuben sei ein Abenteurer gewesen, der das Leben geliebt habe. Man werde sein Lächeln vermissen.

Johnson-Reuben war 39 Jahre alt, als der Konvoi im Irak angegriffen und er entführt wurde. Bevor er zu der privaten Sicherheitsfirma ging, war er Polizist. Er hat zwei Töchter.

CHRONOLOGIE

16. November 2006. Bert Nussbaumer wird gemeinsam mit vier amerikanischen Arbeitskollegen der US-Sicherheitsfirma Crescent Security entführt.

3. Jänner 2007. Im Internet taucht ein Video von Nussbaumer und seinen Kollegen auf, aufgenommen am 21.12.2006.

12. März 2008. US-Behörden geben bekannt, Nussbaumers DNA-Spuren erhalten zu haben.

25. März 2008. Das FBI konnte vier Leichen von Entführungsopfern identifizieren, drei aus Nussbaumers Gruppe.

27. März 2008. Eine weitere Leiche wird entdeckt, die zunächst nicht identifiziert wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.03.2008)

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