„Roter Montag“ bei den Bundesbahnen

Gerüchten zufolge wird bereits über eine Auflösung des Vertrags von ÖBB-Chef Martin Huber verhandelt.

Wien. In den ÖBB darf gezittert werden. Am kommenden Montag tritt nämlich der Aufsichtsrat der Bundesbahnen zu einer überaus heiklen Sondersitzung zusammen. Dabei sollen vor allem die Ergebnisse der beiden eingeholten Gutachten diskutiert werden. Eines beschäftigte sich mit den millionenschweren Fehlspekulationen am US-Finanzmarkt, das andere mit der "Causa Huber".

Brisante Themen. Zumal es mit der Klärung der jeweiligen Sachverhalte auch um die berufliche Zukunft von ÖBB-Chef Martin Huber und Finanzvorstand Erich Söllinger geht. Für beide Manager sieht es nicht allzu gut aus. Das lässt sich nicht zuletzt daran ablesen, dass sowohl Huber als auch Söllinger von der Sitzung am Montag ausgeladen worden sind.

Ein höchst ungewöhnlicher Vorgang. Schließlich sind Aufsichtsratssitzungen laut Aktienrecht nicht als intime Veranstaltung der Kontrollorgane zu verstehen. Vielmehr sollten Vorstände den Aufsichtsräten als Vertreter der Aktionäre Rede und Antwort stehen. Wenn die zwei wichtigsten Manager des Konzerns nicht geladen sind, dürfte das freilich nicht so einfach werden.

Schweigsame Aufsichtsräte

ÖBB-Aufsichtsratschef Horst Pöchhacker war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Dessen Stellvertreter, Eduard Saxinger, findet an der Nichtteilnahme der beiden Vorstände nichts Besonderes. Schließlich gehe es nur darum, den Aufsichtsrat über den Inhalt der Gutachten zu informieren. Fest steht, dass Pöchhacker beide Manager los werden will. Weshalb das Verhältnis zwischen Huber und Pöchhacker dementsprechend frostig sein soll.

Am Freitag verdichteten sich schließlich noch Gerüchte, wonach Huber selbst eine vorzeitige Auflösung seines Vertrages angeboten habe. Unter der Bedingung, dass man ihm den von den Scharfmachern im Aufsichtsrat geplanten Schauprozess erspart und ihm damit ein ehrenvoller Abgang ermöglicht wird. Weshalb die "Causa Huber" am Montag im letzten Moment auch noch von der Tagesordnung verschwinden könnte, wie in den ÖBB spekuliert wird.

Huber: Kein Abgang geplant

Huber weist Gerüchte, er selbst habe Gesprächsbereitschaft über ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Unternehmen signalisiert, entschieden zurück. Hinter den Kulissen zeichnete sich Ende der Woche ein Wettlauf mit der Zeit ab. Noch am Freitag gab es diskrete Gespräche zwischen Huber und dem für die ÖBB zuständigen Infrastrukturminister Werner Faymann (SPÖ). Im Infrastrukturministerium wurde das auch bestätigt: "Minister Faymann und ÖBB-Chef Huber treffen sich immer wieder". An den Ablöse-Gerüchten sei aber nichts dran. "Die beiden Vorstände bleiben im Amt", hieß es im Büro Faymann.

Bereits abserviert wurde jedenfalls der Chef des Personenverkehrs, Stefan Wehinger, der das Unternehmen "freiwillig" verlässt. Sollten nun auch Söllinger und Huber, dessen Vertrag noch bis Ende des kommenden Jahres läuft, aus der ÖBB-Führung ausscheiden, hätten sämtliche nicht-SPÖ-nahe Vorstände die ÖBB verlassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.03.2008)

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