Studie: Bankgebühren in Österreich über EU-Schnitt

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Hierzulande gab es 2007 eine Verteuerung, weltweit sanken die Gebühren leicht.

Wien (dom).Der Preis für alltägliche Bankdienstleistungen (Kontoführung, Bargeldbehebung, Kreditkarte) lag 2007 weltweit im Schnitt bei 70 Europro Jahr. In Europa wurden im Schnitt 75 Euro kassiert. Österreichs Banken sind mit durchschnittlich 83 Euro deutlich teurer. Das geht aus dem World Retail Banking Report 2008 der Unternehmensberatung Cap Gemini hervor. Befragt wurden dabei knapp 200 Banken in insgesamt 26 Ländern. Nicht einbezogen wurden Spar- und Kreditzinsen.

Die höchsten Preise für Bankleistungen müssen Iren (137 Euro p. a.), Norweger (121 Euro) und Schweizer (116 Euro) berappen. Deutschland ist mit 85 Euro etwas teurer als Österreich. Am billigsten machen es die Banken in Indien (26 Euro), China (20 Euro) und Japan (18 Euro). In der EU kommen die Bankkunden in den Niederlanden (35 Euro) und in Dänemark (33 Euro) am billigsten weg.

Die genannten Preise gelten jeweils für den „Normalverbraucher“. Wer sein Konto extrem stark nutzt, also etwa sehr viele Überweisungen und Daueraufträge durchführt, zahlt in Österreich im Schnitt 92 Euro, weniger aktive Kunden kommen mit 58 Euro davon. Im Ausland sind die Gebührenunterschiede teils weit größer. Ein Schweizer, der sein Bankkonto sehr intensiv nutzt, berappt umgerechnet stolze 248 Euro.

Weltweit sind die Bankleistungen 2007 um ein Prozent billiger geworden. In Österreich steigen die Kontogebühren meist mit der Inflationsrate, 2007 waren es im Schnitt zwei Euro.


Bankkunden „gehen fremd“

Die Einführung von SEPA (Single Euro Payments Area) macht den Zahlungsverkehr für die Kunden künftig billiger, die Banken geraten dadurch und durch den steigenden Wettbewerb aber zunehmend unter Druck. „Bis 2017 könnten die Banken im Geschäft mit den Privatkunden bis zu 36 Prozent ihres Nettogewinns verlieren“, erklärt Gregor Erasim, Leiter Financial Services bei Capgemini Österreich/Osteuropa.

Laut Erasim geraten vor allem die klassischen Filialbanken zunehmend in die Klemme, weil ihnen sowohl Direktbanken wie die ING Diba als auch Finanzdienstleister wie AWD zusetzen. Die Kundenloyalität nimmt nicht nur im Handel, sondern auch im Bankgeschäft ab. „Die Kunden der A- und B-Schicht gehen heute auch zum Hofer, und so mancher Private-Banking-Kunde hat inzwischen auch ein Festgeld-Konto bei einer Direktbank“, so Erasim.


Mittagssperre abschaffen

Bankfilialen – vor einigen Jahren angesichts des Internet-Booms bereits totgesagt – wird es auch künftig geben, meint der Experte. Sie seien aber heute noch meist zu groß, zu teuer und zu wenig effizient. Banken sollten eine Trennung in reine Transaktionsfilialen mit allen SB-Geräten und Zweigstellen mit intensiver Beratung überlegen. Für Bankbetriebsräte vielleicht ein Tabubruch, für Erasim durchaus überlegenswert: Bankfilialen sollten über Mittag geöffnet sein, weil viele Kunden dann Zeit haben, ihre Bankgeschäfte zu erledigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2008)