Der schwedische Staat verkauft seinen Spirituosen-Schatz an den französischen Konzern Pernod Ricard.
Stockholm.Der französische Spirituosenkonzern Pernod Ricard hat den Wettstreit um den staatlichen schwedischen Alkoholproduzenten Vin & Sprit gewonnen. Um 55 Mrd. Kronen (5,63 Mrd. Euro) erwerben die Franzosen mit Absolut Wodka eine der bekanntesten Getränke-Marken der Welt. Mit dem Angebot, das die Erwartungen der Analysten um 30 Prozent übertraf, schlug Pernod Ricard Konkurrenten wie Bacardi oder Fortune Brands aus dem Rennen.
Schwedens Finanzmarktminister Mats Odell sprach von einem „prima Geschäft“. Es stimme nicht nur der Preis, der neue Inhaber habe auch angekündigt, an Firmensitz und Fabriken in Schweden nicht rütteln zu wollen. Auch beim Käufer gab es zufriedene Mienen. Vin & Sprit passe „perfekt in die Strategie“, sagte der Vorstandschef Pierre Pringuet und erhofft Synergieeffekte von 125 bis 150 Mio. Euro.
Positiv reagierte auch die Gewerkschaft, deren Vorsitzender Hans-Olof Nilsson zu den Kritikern der Verkaufspläne gehört hatte: der damals ventilierte Verkaufspreis von 40 Mrd. Kronen sei zu niedrig und die Gefahr einer Zerschlagung des Konzerns zu groß. Jetzt konstatiert Nilsson: richtiger Käufer, richtiger Preis. Pernod Ricard sei zum Unterschied von den mit Kapitalfonds alliierten Mitbewerbern ein weitsichtiger Investor, der sich nicht nur das goldene Ei Absolut greifen wolle.
Absoluter Marktführer
Vin & Sprit, das 2100 Mitarbeiter beschäftigt und auf 126 Märkten vertreten ist, hat zwar auch Marken wie Plymouth Gin, Gammel Dansk und Malteserkreuz im Warenangebot. Bekannt und begehrt ist der Staatskonzern wegen des Absolut Wodka, die für 62 Prozent des Umsatzes von 10,3 Mrd. und den Löwenanteil des Gewinns von 2,3 Mrd. Kronen steht. Nun wird sie die Nummer eins im Pernod-Sortiment, das Weltlabels wie Chivas, Ballantines, Beefeater, Martell, Dubonnet oder Mumm umfasst. In Sachen Wodka waren die Franzosen bisher nicht als Produzenten vertreten, vertrieben aber die russische Marke Stolichnaya. Dieses Abkommen wird nun beendet.
Absolut hält einen Marktanteil von mehr als 25 Prozent und ist in Nordamerika und Nordeuropa überlegener Spitzenreiter. Pernod Ricard, in 30 Jahren vom lokalen Pastis-Brenner zum Weltkonzern aufgestiegen, konsolidiert mit dem Erwerb die Stellung als einer der größten Spirituosenhersteller.
Vin & Sprit ist eine von sechs staatlichen Firmen oder Beteiligungen, die die bürgerliche Regierung auf die Verkaufsliste setzte. Bisher dominierten die negativen Schlagzeilen wegen schlechten Timings beim Abverkauf der Anteile am Telekonzern Telia Sonera und Skandalen mit einer Beraterbank. Auch der Verkauf des Börsenbetreibers OMX an die Börse Dubai war umstritten. Die linke Opposition bekrittelt generell, dass man lukrative Staatsbetriebe behalten und nicht veräußern solle.
Jetzt rechnet Odell den Kritikern vor, dass Vin & Sprit zwar jährlich 800 Mio. Kronen an die Staatskassa abführte, dass man sich nun aber über zwei Mrd. an Zinszahlungen erspare, wenn man die Kaufsumme zum Abbau der Staatsschulden verwendet.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.04.2008)