Die Integration der LTU und das teure Kerosin macht der deutschen Billig-Fluglinie zu schaffen.
Frankfurt (Reuters/red.). Gewinnwarnungen sind immer schlecht. Echt gefährlich werden sie, wenn die Hiobsbotschaft an der Börse durchsickert, bevor der Konzernchef offiziell etwas sagt. Die deutsche Billig-Fluglinie Air Berlin hat dieses Fiasko am Montag erlebt. Nach ersten Medienberichten über eine Gewinnwarnung sind die Aktien um 14 Prozent auf 6,97 Euro abgestürzt.
Air Berlin-Boss Joachim Hunold hatte schon Mitte März die Börse geschockt. Er deutete an, dass die Eingliederung der übernommenen LTU schwieriger als erwartet sei und das Ergebnis 2007 massiv belasten werde. Daraufhin rasselte die Aktie in den Keller. Die UniCredit senkte das Kursziel von 16 auf neun Euro.
Am Montag bestätigten sich die Negativ-Prognosen: Die Air Berlin, die 24 Prozent an der österreichischen Fluglinie „Niki“ von Niki Lauda hält, musste 2007 Belastungen von 70 Mio. Euro verkraften. Das Betriebsergebnis (Ebit) fiel von 64,1 auf 21,5 Mio. Euro, der Nettogewinn von 50,1 auf 21 Mio. Euro. Die LTU ist seit August 2007 einbezogen.
100 Mio. Euro einsparen
Die hohen Treibstoffkosten, gegen die Air Berlin zu 74 Prozent abgesichert ist, sind der Grund für die deutlich nach unten revidierte Gewinnprognose 2008. Deutschlands zweitgrößte Fluglinie nach der Lufthansa wird ein Betriebsergebnis (Ebit) von 73 bis 120 Mio. Euro erreichen, sagte Hunold. Im September sprachen er und Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer von 140 bis 160 Mio. Euro.
Zur Profit-Optimierung will Hunold unrentable Strecken streichen und das Kostenmanagement optimieren, den Vertrieb vereinheitlichen und straffen sowie die Fokker-Flotte gegen Bombardier-Turboprops austauschen. Hunold bezifferte das Sparpotenzial mit 100 Mio. Euro.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.04.2008)