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Abstand zwischen Fairtrade-Preisen und Weltmarktpreisen schrumpft

Spekulationen machen Kaffee, Tee und Kakao teurer.

Wien (mac/mk/ag.). Aus Sicht der Konsumenten ist es praktisch: Politisch korrekter Kaffeegenuss mit Fairtrade-Siegel ist derzeit nicht wesentlich teurer als normaler Kaffee. Grund dafür ist die starke Nachfrage auf dem Weltmarkt, die den Preis von herkömmlichen Sorten in die Höhe getrieben hat. Der Preis von Fairtrade-Kaffee dagegen ist weniger stark geklettert. Denn die fairen Händler kaufen die Bohnen nicht an internationalen Börsen, sondern direkt bei den Kaffeebauern zu stabilen Mindestpreisen.


Starke Schwankungen am Weltmarkt

Weltweit bewegen sich die Preise für Rohkaffee derzeit auf Rekordniveau. Grund dafür sei der Rückgang des Anbaus und vermehrte Spekulationen mit Rohstoffen, sagt Holger Preibisch, Geschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbands. Im Februar kostete ein halbes Kilogramm durchschnittlich rund 1,39 US-Dollar (0,886 Euro). Noch vor zwei Jahren lag der Preis bei 0,85 Dollar. Genau vor diesen – nicht unüblich starken – Schwankungen am Weltmarkt will das Fairtrade-System Bauern in Entwicklungsländern schützen. Europäische Bauern werden stattdessen massiv mit staatlichen Subventionen gestützt.

Konkret funktioniert das Fairtrade-System so: Halten die Bauern beim Anbau gewisse Standards ein, werden ihre Produkte von der internationalen Fairtrade-Organisation FLO zertifiziert und zu einem garantierten Direktabnahmepreis gekauft. Steigt der Weltmarktpreis wie momentan darüber, ziehen auch die Fairtrade-Händler mit. Allerdings verkleinert sich bei hohen Weltmarktpreisen die Spanne zwischen beiden Preisen. Das lässt den Preisunterschied zwischen Fairtrade-Kaffee und herkömmlichen Sorten schmelzen, was wiederum Absatz und Nachfrage von Fairtrade-Produkten nach oben treibt.

Tatsächlich nehmen die Kunden das Angebot, gutes Gewissen zu konsumieren, gerne an. Auch große Handelsketten haben dem Trend längst Rechnung getragen und fair gehandelte Agrarprodukte ins Sortiment aufgenommen. Am österreichischen Kaffeemarkt halten Fairtrade-Produkte derzeit einen Anteil von rund 2,5Prozent. Das erfolgreichste Fairtrade-Produkt ist die Fairtrade-Banane, die inzwischen am gesamten österreichischen Bananenmarkt 20Prozent Anteil hält. Trotz aller Erfolge ist Fairtrade kein großer Wirtschaftsfaktor. Nur 0,001 Prozent des globalen Agrarhandels werden mit Fairtrade-Gütern gemacht.


Gutes Gewissen darf kosten

Preislich scheint für die Produkte mit dem guten Image aber noch einiges möglich zu sein. Das zeigt ein interessantes Experiment, das 2005 von zwei Ökonomen der Harvard University durchgeführt wurde. Sie druckten auf Handtücher das Logo „Fair and Square“ und erklärten, dass diese Handtücher unter fairen Bedingungen hergestellt wurden: Die Verkäufe der fairen Handtücher liefen gut und stiegen jedes Mal an, wenn die Preise erhöht wurden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2008)