Erleuchtung am Arbeitsplatz

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Lichtspiele. Neue Beleuchtungskonzepte steuern vieles automatisch. Aber auch künftig kann der Mitarbeiter den Schalter drücken.

Spätnachts, alle Räume sind dunkel, nur der Kommissar sitzt noch im Büro. Das einzige Licht weit und breit: seine (altertümliche) Schreibtischlampe. Eine Szene, wie man sie in Krimiserien oder TV-Thrillern gern und oft sieht – beleuchtungstechnisch jedoch sind sie Schnee von gestern. „Der Trend geht weg von einer Leuchte im Arbeitsbereich, hin zu vielen Lichtquellen“, sagt Kerstin Schitthelm von Zumtobel Lightening. Abseits der herkömmlichen Bürobeleuchtung, die mit einem Schalter lediglich auf- und abgedreht werden kann, gibt es bereits Lichtsysteme, die automatisch gesteuert auf die unterschiedlichen Beleuchtungs-Bedürfnisse am Arbeitsplatz reagieren. „Der Mensch hat über den Tag verteilt unterschiedlich starke Bedürfnisse nach Licht, um effizient arbeiten zu können“, erklärt Michael Ogertschnig von „HOLODECK architects“.

Nach dem Mittagessen oder abends, wenn man ermüdet, kann die Konzentration durch entsprechende Lichtsteuerung gesteigert werden. „Die Müdigkeit wirkt sich natürlich auch auf die Fehlerhäufigkeit aus“, sagt Verena Bartenbach vom Bartenbach Lichtlabor. Tageslichtmenge und -verteilung, Sonnen- und Blendschutz – all dies sind Themen, die bei der Beleuchtung eine Rolle spielen und im Lichtlabor erforscht werden. Getestet wird etwa, bei welcher Lichtintensität und bei welchen Lichtfarben am besten gearbeitet werden kann. Für Büros beispielsweise werden hohe Lichtintensitäten und „weißes“ Licht empfohlen. Mehr Glas, mehr Licht Auch die Architektur sorgt für wachsende Ansprüche und Anforderungen an die Lichtplanung. „Die Parameter für die Beleuchtung ändern sich durch die häufige Verwendung von Ganzglasfassaden“, sagt Ogertschnig.

Die Kombination von künstlichem Licht mit dem Tageslicht ist dabei die wahre Kunst. „Je nach Himmelsrichtung oder der Entfernung des Arbeitsplatzes vom Fenster muss anders mit dem Thema Beleuchtung umgegangen werden.“ Vielfach folgt der detaillierten Planung dann ein objekteigenes, automatisch gesteuertes Lichtsystem. In der Früh schalten sich andere Leuchten ein als am späten Vormittag, abends wird die „Reinigungsbeleuchtung“ aktiviert, damit die Putzkolonne nicht im Dunkeln tappt und in der Nacht gibt es ein Grundlicht für die Sicherheit. „Das Lichtsystem kann auch mit den Jalousien kombiniert werden“, berichtet Schitthelm. „Bei Sonnenschein bewegen sich die Jalousien automatisch so, dass man nicht geblendet wird.“ Und auch in Sachen Energieeffizienz können die modernen Systeme mehr als ihre Vorreiter – nicht nur wegen der sparsamen neuen Lampen.

Aber selbst das raffinierteste System lässt sich manuell nachjustieren – nicht, dass ein eifriger Mitarbeiter an seinen Überstunden gehindert wird, weil automatisch das Licht ausgeht. Nicht so direkt In einem modernen Büro werden direkte und indirekte Lichtquellen kombiniert – direkte „Klassiker“ wie die Schreibtischlampe werden dabei mit Lichtquellen, die etwa Wände erhellen, ergänzt. „Gerade beim Licht geschieht vieles unterbewusst, das Auge passt sich laufend den Lichtverhältnissen an“, erläutert Bartenbach. Daher ist es wichtig, dass das Licht keine Störung bedeutet, sondern den Arbeitsprozess unterstützt. Und so wird ein Computerarbeitsplatz anders beleuchtet als eine Produktionshalle oder die Kaffee-Ecke. Dass Licht nicht nur Auswirkungen auf die Produktivität, sondern auch auf die Gesundheit hat, ist ein weiterer Aspekt. Das Lichtlabor Bartenbach untersucht gerade die Auswirkungen unterschiedlicher Lichtformen auf die Hormonbildung im menschlichen Körper. Aber das ist eine andere Geschichte, eventuell sogar Stoff für einen TV-Krimi ...


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