Das Ziel: Fünf-Prozent-Golf

(c) Gepa (Philipp Schalber)
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Markus Brier und Co. mussten in Portugal herbe Enttäuschungen einstecken. Ihre hoch gesteckten Ziele wollen sie aber weiter verfolgen – und noch stärker werden.

ESTORIl. Den Schläger über das Knie abzubrechen, dazu ließ sich Markus Brier dann doch nicht hinreißen. Diesen Brachialakt hatte schon sein schwedischer Flightpartner Peter Hansen erledigt. Aber die Wut Briers über sein Ausscheiden bei den Portugal Open war nicht zu übersehen. „Blödheit gehört bestraft“, hatte der sonst so ruhige und ausgeglichene selbstkritisch gemeint. Nach dem achten Platz vergangene Woche in Andalusien waren seine Erwartungen wesentlich höher gewesen.

Neben ihm hatten auch Martin Wiegele und Florian Prägant auf dem relativ einfachen Dünenkurs Oitavos Dunes an Portugals Atlantikküste den Cut deutlich verpasst.

Während Wiegele, zuletzt Neunter auf Madeira, mit seiner bisherigen Comeback-Saison auf der European Tour dennoch zufrieden sein darf, konnte Rookie Prägant seine Enttäuschung kaum verbergen. Für ihn sind „alle Kurse Neuland und es ist oft schwierig, sich darauf zurecht zu finden“, sagt der Kärntner, dem momentan mentale Stärke fehlt. Auch wenn sich die erste Nervosität gelegt hat, es sei eben etwas anderes, Mitglied der Tour, als bloß dank Wild Card ausnahmsweise dabei zu sein, sagt der 24-Jährige. „Ich bringe nur 80 Prozent von dem, was ich drauf habe – das ist zu wenig.“

Bruder als mentale Stütze

Immerhin kann er seit drei Wochen auf Verstärkung aus der Familie bauen. Sein um zweieinhalb Jahre jüngerer Bruder Franz Josef, der zuletzt in Florida als Koch gearbeitet hat, begleitet ihn als Caddie auf den Runden. Für beide eine neue Erfahrung, denn „wir haben uns in den vergangenen Jahren nicht sehr oft gesehen.“ Florian Prägant wird nun drei Wochen zu Hause trainieren und sich neu konzentrieren, um im Mai frisch angreifen zu können.

Trotz der jüngsten Enttäuschungen steht Österreich im Spitzengolf so stark da, wie noch nie mit drei Spielern auf der European Tour, der höchsten Spielklasse Europas. Daneben schlagen je vier ÖGV-Spieler in der Challenge bzw. in der Alps Tour ab, den nächstwichtigsten Turnierserien.

Wesentlich dazu beigetragen, die Spitze zu verbreitern, haben dabei die beiden schwedischen Coaches Anders Forsbrand und Fredrik Jendelid. Ihr Ziel ist es, wie Jendelid formuliert, aus den Spielern „Fünf-Prozent-Golfer“ zu machen. Was er will: „Jeder Ball sollte auf die geschlagene Entfernung gesehen maximal fünf Prozent vom angepeilten Punkt entfernt sein.“ Im Training gelinge das bereits in acht von zehn Fällen, „das Ziel müssen aber zehn von zehn Shots sein – und das auch unter Turnierbedingungen“, definiert er. In den USA, zum Vergleich, geben die Trainer die Zehn-Prozent-Marke als Vorgabe.

Besonders am Herzen liegt den beiden schwedischen Trainern auch das Putting. Mit auffallend schwachen Schlägen auf den Grüns hatte ja Markus Brier in Estoril den Cut und damit die beiden Finalrunden verpasst. „Im Schnitt“, rechnen die Schweden vor, „werden 28 Putts pro Runde gespielt.“ Das ist mehr als ein Drittel aller Schläge. Dass das schwedische Trainingsmodell, das die beiden vertreten, gerade in diesem Bereich sehr erfolgversprechend sei, belegen sie mit Statistiken. 2006 war ein Viertel aller Skandinavier auf der European Tour in den Top-36 der Putting-Rangliste und damit dort, wo auch die Österreicher hinwollen. Ein realistisches Ziel, wie Jendelid betont, denn „die Skandinavier haben wesentlich schlechtere Grüns und Trainingsbedingungen als die Österreicher“.

Am Ende des Prozesses sieht Jendelid folgende Formel: „Wir erzielen gute Scores, wenn wir schlecht spielen, und großartige, wenn wir gut spielen.“

Das nachhaltig zu erreichen ist das Ziel des Trainer-Duos. Allerdings sehen sie ihre Arbeit nicht als „schwedisches Projekt“, sie wollen viel mehr ein österreichisches Modell aufbauen, das in der Nachswuchsarbeit in den einzelnen Golfklubs beginnen, sich in der eigenständigen Trainerausbildung fortsetzen und letztlich zu noch mehr Profis und Proetten führen soll, die sich international behaupten können.

HOFFNUNG CHINA

Auf Markus Brier wartet nach dem Ausscheiden in Portugal der erste Saison-Höhepunkt. Beim China Open kommende Woche ist er Titelverteidiger.

Das Top-Trio Brier, Wiegele und Prägant tritt danach Anfang Mai bei den Turnieren in Spanien und Italien an.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.04.2008)

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