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Montenegro: Immobilienverkäufe an der Adria gehen zurück

(c) AP (SRDJAN ILIC)
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Der Zustrom von Russen, Engländern und Iren als Immobilienkäufer scheint abzureißen.

Podgorica (APA/red.). Die Rolling Stones waren hier, Michael Douglas auch. Als eine Art „Monaco“ wollte sich Montenegro positionieren – und der Weg Richtung Jetset schien zu funktionieren. Russen, Engländer und Iren griffen begeistert zu und trieben die Immobilienpreise in dem jungen Staat in die Höhe. Doch mittlerweile lässt das Interesse an einem Immobilienerwerb an der montenegrinischen Adriaküste nach. Dies wird auch auf die hohen Kaufpreise zurückgeführt.

In der Küstenstadt Budva musste man noch im Vorjahr für eine Wohnung im historischen Stadtkern zwischen 3500 und 7000 Euro pro Quadratmeter entrichten. Noch höhere Preise wurden den Medien zufolge in den naheliegenden Ferienorten Sveti Stefan und Milocer erzielt – und das in einem Land, in dem das durchschnittliche Monatseinkommen bei etwa 200 Euro liegt.

Wie das Wirtschaftsblatt „Biznis“ berichtete, herrsche seit einigen Monaten praktisch ein voller Stillstand beim Immobilienverkauf an der Adria. Mit geringeren Steuereinnahmen aus Immobilienverkäufen rechnen inzwischen auch die lokalen Behörden. In Budva, dem führenden Tourismusort, geht man davon aus, dass sich diese heuer auf drei Mio. Euro belaufen dürften. Dies bedeutet, dass in der Stadt und Umgebung immerhin Immobilien im Wert von rund 300 Mio. Euro den Besitzer wechseln würden, was fast um die Hälfte weniger als im Jahr zuvor wäre.

Nach Schätzung der Lokalbehörden dürfte auch der Kaufpreis pro Quadratmeter Wohnfläche heuer auf unter 2000 Euro sinken. In der Stadt werden soeben 1500 Ferienwohnungen gebaut.

Ausländische Investoren können in Montenegro zwar Immobilien erwerben, nicht aber Land. Das ist Unternehmen zu gewerblichen Zwecken vorbehalten. Doch da es nicht schwierig ist, eine Firma anzumelden, wird dieser Weg von vielen Ausländern genutzt, um an Grundstücke im 620.000-Einwohner-Staat zu kommen. Angaben darüber, wie viele Immobilien sich in ihrem Besitz befinden, liegen nicht vor.


Albanien statt Montenegro

Medien berichten unterdessen, dass potenzielle Immobilienkäufer ihre Aufmerksamkeit nach dem kurzen Boom in Montenegro inzwischen zunehmend auf das benachbarte Albanien richten, wo sich die Immobilienpreise zur Zeit zwischen 500 bis 1000 Euro pro Quadratmeter bewegen und die Küste auch sehr schön ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.04.2008)