Meinl: Auch MAI und MIP haben rückgekauft

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Wie schon die Meinl European Land haben auch die beiden anderen beiden Meinl-Unternehmen eigene Zertifikate zu weit über dem Börsenkurs liegenden Kursen zurückgekauft.

wien (red./ju). Böse Überraschungen erleben jetzt auch die Zertifikatsinhaber der börsenotierten Meinl-Gesellschaften MAI (Meinl Airports International) und MIP (Meinl International Power): Wie schon die Meinl European Land (MEL) haben auch die beiden anderen beiden Meinl-Unternehmen eigene Zertifikate zu weit über dem Börsenkurs liegenden Kursen zurückgekauft. Wie bei MEL ohne die Anleger zeitnahe zu informieren und auch ohne die Meldeverpflichtungen des österreichischen Börsegesetzes einzuhalten, die eine Veröffentlichung spätestens am „zweiten Börsetag der auf die Transaktion folgenden Kalenderwoche“ vorschreiben. Selbstverständlich sagt Meinl auch nicht, von wem die Stücke gekauft wurden.

An der Börse wohl nicht: Dort notierte MAI zuletzt mit 4,40 Euro, der Durchschnittspreis für die rückgekauften 2,2 Mio. MAI-Zertifikate lag aber bei 8,8 Euro – ein Wert, den das Zertifikat seit dem vergangenen August nicht mehr gesehen hat. Die von Ex-Finanzminister Karl Heinz Grasser und Ex-Verbund-Chef Hans Haider geführte MIP (die für das Rumpfgeschäftsjahr 2007 einen Gewinn von 2,8 Mio. Euro ausweist) hat knapp 2,1 Mio. Zertifikate um 8,94 Euro das Stück zurückgekauft, an der Börse notiert das Papier aber nur mit 5,55 Euro.

Großer Nutznießer der Transaktionen: Die Meinl Bank, die allein beim MIP-Rückkauf 1,3 Mio. Euro an Gebühren kassiert hat. Laut IVA-Chef Wilhelm Rasinger hat die Meinl Bank aus MIP (inklusive der Rückkäufe) im ersten Geschäftsjahr schon 46,5 Mio. Euro „kassiert“. Rasinger hat in einer Sachverhaltsdarstellung (es gilt die Unschuldsvermutung) an die Finanzmarktaufsicht den Verdacht geäußert, dass die Emission im Vorjahr nicht zur Gänze platziert worden war, deshalb „zwischengeparkt“ und jetzt mit Stücken, die zu einem niedrigerem Preis rückgekauft wurden, „gemischt“ wurde. Dabei sei dem Unternehmen ein Schaden von 6 Mio. Euro entstanden.

MAI und MIP sind Jersey-Gesellschaften und notieren zudem im unregulierten „Other Securities“-Markt der Wiener Börse, dessen Informationsverpflichtungen weit unter dem Standard im regulierten Markt liegen. Das Management der beiden Gesellschaften war zu den Rückkäufen grundsätzlich ermächtigt.

AUF EINEN BLICK

MAI und MIP, an der Wiener Börse notierte Meinl-Gesellschaften, haben eigene Aktien zu weit über dem Börsekurs liegenden Preisen zurückgekauft – ohne die Anleger zeitnah zu informieren.

Der IVA hat in Sachen MIP eine Anzeige bei der Finanzmarktaufsicht eingebracht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.04.2008)

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