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„Stadt Wien blockiert kreative Architektur“

Architekten nehmen Flächenwidmung ins Visier: Sie lasse keinen Spielraum für kreative Lösungen.

WIEN (stu). Die Stadt hat einiges vor nach der Euro 2008: Im zweiten Bezirk entsteht ein neuer Stadtteil (siehe nebenstehenden Artikel). Das kann Walter Stelzhammer, Bundesvorsitzender der Architekten, wenig beeindrucken. Im Gespräch mit der „Presse“ greift er die Wiener Stadtplanung scharf an.

Konkret kritisiert Stelzhammer die Art, wie die Politik Flächenwidmungen absegnet: „Es wird seit Jahrzehnten Block um Block in der Widmung festgeschrieben. Keiner kommt auf die Idee, Straßenzüge in der Widmung aufzulösen, mehr Grünraum zu schaffen und so kreative Lösungen zu ermöglichen.“ Als Beispiel nennt der Architekten-Präsident einen Straßenzug mit zehn Häuserblocks: „Heute kann ich diese Wohnungen in acht Blocks unterbringen. Damit entsteht auf der Fläche von zwei Blocks ein wunderbarer Park.“ Diese kreative Art der Planung werde Architekten in Wien verweigert; weil die Flächenwidmungen sich stur nach den bestehenden Strukturen (Häuserblöcken) richte, so Stelzhammer.


Kampf dem „Speckgürtel“

Das Wiener System verhindere attraktive Wohnmöglichkeiten; weshalb viele Menschen die Stadt verlassen und ins Umland („Speckgürtel“) ziehen, meint der Architekt: „Mit einer flexibleren Auslegung der Wiener Flächenwidmung können diese Menschen in der Stadt gehalten werden – weil sie finden was sie suchen.“ Nebenbei werde das Verkehrsproblem (Stichwort: Pendeln) gelöst.

Der nächste Vorteil einer flexiblen Widmung: Innerstädtisch könnte deutlich mehr Wohnraum geschaffen werden, erklärt der Architekt. Dann müsste die Stadt nicht mehr Siedlungen auf der grünen Wiese bauen – was zu Problemen mit Infrastruktur und Erreichbarkeit führt, wie es Georg Pendl, Präsident der Architektenkammer, pointiert auf den Punkt bringt: „Wir genehmigen irgendwo im Grünen ein energiesparendes Passivhaus. Dort stehen dann zwei spritfressende Geländewagen von Porsche vor der Tür. Ist das sinnvoll?“



„Wir genehmigen im Grünen ein Passivhaus. Dort stehen dann zwei spritfressende Geländewagen vor der Tür.“

Architekten-Präsident Georg Pendel

über fehlende Infrastruktur.

Planungsstadtrat Rudi Schicker verteidigt die gängige Praxis. Die sanfte Stadtsanierung, bei der einzelne Innenstadt-Häuser renoviert würden, sei seit Jahren erfolgreich: „Das stellt sicher, dass die Mieter auch nach der Renovierung in ihren Wohnungen bleiben können, und nicht vertrieben werden.“ Mit der Brechstange ganze Straßenzüge zu sanieren und neu zu ordnen sei wegen der großen Zahl der Hausbesitzer und deren unterschiedlichen Interessen unmöglich: „Außerdem werden sich Mieter bedanken wenn wir alles niederreißen, um einen Straßenzug neu zu ordnen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.04.2008)