Der Staatsanwalt will Julius Meinl zur Einvernahme vorladen.
wien (ju). Die in den vergangenen Tagen von Anlegern heftig kritisierte (und wie üblich erst im Nachhinein bekannt gegebene) Zertifikate-Rückkaufaktion der Meinl International Power (MIP) wird immer mysteriöser: Wie berichtet, hat MIP vor ein paar Tagen bekannt gegeben, eigene Zertifikate im Wert von 18,59 Mio. Euro zurückgekauft (und gegen das Eigenkapital verbucht) zu haben.
Nach heftiger Kritik seitens der Anleger hat MIP nun präzisiert, die Meinl Bank habe „in Wahrnehmung ihrer Verpflichtungen als Market Maker“ die Rückkäufe in den ersten Tagen nach dem Listing an der Wiener Börse getätigt, um vertragsgemäß die Liquidität des Wertes sicher zu stellen. Die Zertifikate waren zum Durchschnittspreis von 8,94 Euro je Stück erworben worden. MIP notiert seit Anfang August 2007 im unregulierten „Other Securities“-Segment der Wiener Börse.
Diese Begründung halten Börsianer für ein wenig wackelig: Die zu zehn Euro ausgegebenen MIP-Zertifikate waren an der Wiener Börse nämlich der Flop des Jahres. Sie haben ein einziges Mal, nämlich am ersten Tag des Listings, bei neun Euro und damit über dem von MIP angegebenen Durchschnittskurs notiert. Damals hatten in Wien rund 1,7 Mio. Zertifikate den Besitzer gewechselt. Am zweiten Tag (Umsatz: rund 350.000 Stück) lag der Kurs bereits unter neun. Wenn die Angaben der MIP stimmen, dann wäre also der gesamte Börsenhandel in den ersten beiden Tagen auf Rückkäufe der Meinl Bank entfallen (ohne dass diese riesige Nachfrage eines einzigen Käufers den Kurs auch nur stabilisiert hätte).
Dieses Rätsel (und ähnliche bei MEL und MAI) wird Julius Meinl V. bald beim Staatsanwalt klären können: Die Staatsanwaltschaft Wien hat laut „Format“ angekündigt, eine Einvernahme Meinls stehe „unmittelbar bevor“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.04.2008)