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Euro 2008: Offenes Parlament: „Wir ziehen nicht in den Krieg“

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Trotz 2,20 Meter hohem Zaun soll das Hohe Haus auch während der Euro keiner Festung gleich werden.

WIEN. Wenn der Anpfiff für die Fußballeuropameisterschaft 2008 erfolgt, wird das Parlament zwar zum Teil von einem Sicherheitszaun verstellt sein. Abriegeln will man sich von den Fußballfans aber keineswegs. Ganz im Gegenteil: Im Rahmen der angrenzenden Fan-Meile will das Hohe Haus sogar aktiv für sich werben.

Es werden in dieser Zeit auch gesonderte Führungen angeboten, damit Sportbegeisterte etwas von Theophil Hansens Baukunst und Österreichs Parlamentarismus aus nächster Nähe sehen können. Freilich gilt es, das Haus vor Vandalen-Akten zu schützen, aber Parlaments-Vizedirektor Sigurd Bauer legt Wert darauf, dass das Haus nicht zur Festung umfunktioniert wird.

Zwar werden mehr Einsatzkräfte zur Sicherung des Gebäudes vor Ort sein und auch die Videoüberwachung wird vom Sicherheitsdienst genutzt, wie der EM-Koordinator Peter Goldgruber, Leiter der Sicherheits- und Verkehrspolizeilichen Abteilung der Wiener Polizei, berichtet.

Mögliche Sondersitzungen, tagende Ausschüsse und der Bundesrat sollen in ihrer Arbeit aber nicht durch aufwendige Sicherheitsmaßnahmen behindert werden, sondern wie gewohnt arbeiten können. Auch die Fahnen am Dach des Hauses, das immer beflaggt wird, wenn drinnen Volksvertreter tagen, wird wie gewohnt wehen.
Zutrittsbeschränkungen werde es zwar geben, aber die Abgeordneten würden keine langen Prozeduren über sich ergehen lassen müssen, um ihren Arbeitsplatz betreten zu können. Die Sicherheitsvorkehrungen für das Hohe Haus waren ja auch vor der EM schon ausgefeilt, hier bedürfe es keiner gravierenden Verschärfung.

Sollte es zu Behinderungen kommen, so könne das einzig daran liegen, dass der Verkehr während der Fußballveranstaltungen ein weniger rasches Fortkommen mit sich bringe.


Optisch ansprechend soll es sein

Auch legt man im Parlament Wert darauf, dass der 2,20 Meter hohe Sicherheitszaun nicht den Anschein eines Hochsicherheitstrakts erweckt, wie Bauer betont. Der Zugang zum Besucherzentrum solle frei bleiben. Schließlich sei nach wie vor jeder Besucher willkommen und auch die Bespannung des Maschenzauns mit Folie solle garantieren, dass das Ganze nicht zum optischen Debakel ausarte, sondern auch von außerhalb der Schutzzone hübsch anzusehen sei. Die komplette Fanmeile wird nämlich eingezäunt sein, wobei es fünf große Eingänge mit je 30 Einzelschleusen und Videoüberwachung geben wird und 46 Fluchttore mit je sechs Metern Breite für den Ernstfall, sodass der gesamte Bereich innerhalb von acht Minuten geräumt werden kann.

Goldgruber sieht der EM allerdings gelassen entgegen. „Wir ziehen ja nicht in den Krieg, wir haben nur eine Europameisterschaft.“ 99 Prozent der Fans seien friedfertige Sportbegeisterte. Und den ganz geringen Anteil an Gewaltbereiten werde die Polizei rechtzeitig aufspüren und darüber informieren, dass das eine friedliche Veranstaltung sei.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.04.2008)