Zirkus auf dem Abstellgleis

Wer stoppt den Horrorzug namens ÖBB auf seiner Fahrt in den Abgrund?

Strip-Affäre, Spekulationsskandal, politische Postenschachereien, ungustiöse Immobiliendeals im persönlichen Umfeld des Generals, Gagenaffären: In der Bundesbahn, deren obere Management-Ebenen in (viel zu) weiten Teilen offenbar schlicht zum Abstellgleis für schwer vermittelbare Politgünstlinge verkommen sind, regiert in der Endphase der Ära Huber das blanke Chaos.

Das hat zwar dankenswerterweise einen hohen Unterhaltungswert, ist aber für Leute, die diesen Zirkus mit ihren Steuern finanzieren müssen – also beispielsweise Sie und ich – ein ziemlich teures und verzichtbares Vergnügen.

Denn wir reden hier ja nicht von einem erfolgreichen Unternehmen, in dem einmal – kann ja passieren – etwas schief gelaufen ist. Wir reden von einem Konzern, der – wie wohl er in seinen Bilanzen wundersamerweise Gewinne ausweist und seinen Managern nicht zu knapp „erfolgsabhängige“ Prämien überweist – jährlich mehr als vier Milliarden Euro Staatszuschuß benötigt, um damit knapp zwei Milliarden Marktumsatz (jawohl: Umsatz, nicht Gewinn) einzufahren. Und dessen (nicht budgetwirksame, aber vom Staat mit Garantien abgedeckte) Verschuldung bald 10 Prozent (!) der gesamten österreichischen Staatsschuld erreichen wird.

Schon jetzt macht der Schuldenstand der ÖBB ein Vielfaches des Marktumsatzes aus, gerade erst hat der Bund mit einer Zwei-Milliarden-Spritze verhindern müssen, dass die Bahn eigenkapitalmäßig entgleist. So schaut‘s aus.

Die Bahn-Weichensteller sollten in dieser Situation nicht von „Erfolgen“ da und dort reden, sondern den verstorbenen Ex-Verstaatlichten-Chef Sekyra zitieren: „Verstehen Sie doch, wir sind pleite“, hat der die Lage seines Konzerns in der Schlussphase der Verstaatlichtenkrise beschrieben. Dabei sind in der Verstaatlichtenpleite ganze 100 Mrd. Schilling, also läppische sieben Mrd. Euro, verbrannt worden. Reine Anfänger also gegen das, was die ÖBB in der Hinsicht auf die Beine stellen.

Nicht, dass die Bahn kein zukunftsträchtiges Verkehrsmittel wäre und nicht ordentliche, vor allem aber sinnvolle Investitionen benötigen würde. Dazu würde sie aber ein schlagkräftiges Management, zurückhaltende Eigentümer und vor allem ein gutes und tragfähiges Verkehrskonzept brauchen. Und nicht einen sogenannten Generalverkehrsplan, der als Wunschkonzert der Landesfürsten einen verkehrstechnischen Fleckerlteppich erzeugt und deshalb wohl die größte bekannte Geldverschwendung seit Erfindung der Dampfmaschine darstellt.

Herr Faymann, Herr Pöchhacker: Wir finden das nicht mehr lustig. Tun Sie was! Verkehrspolitik a la Gorbach haben wir uns zu lange angeschaut.


josef.urschitz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.04.2008)

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