Die Bawag kontert Elsners Angriffe wegen „Akten-Schwundes“; Norbert Steger kommt als Zeuge.
WIEN. Elsner hatte lange zugewartet, ehe er vergangenen Dienstag beim Bawag-Prozess endlich verriet, wie er zu seinem Verteidiger Wolfgang Schubert kam. Im Frühjahr 2006 habe ihm der Bawag-Rechtsvertreter Wolfgang Brandstetter den Namen Schubert genannt. Laut Elsner hätte Brandstetter selber in den Ring steigen wollen. Dazu sei es nach Intervention der Bawag und unter dem Einfluss der SPÖ nicht gekommen. Brandstetter wies dies am Dienstag, dem 91. Verhandlungstag, scharf zurück.
Die Elsner-Darstellung: Brandstetter sei Anfang 2006 auf eigenen Wunsch bei ihm, Elsner, zu Hause erschienen. Damals war gerade das Refco-Debakel aufgeflogen. Die Karibik-Verluste der Bawag kamen erst später ans Licht.
Jedenfalls habe Brandstetter damals den Eindruck vermittelt, ihn, Elsner, auch weiterhin „beraten“ zu wollen. Und auch der damalige Bawag-Chef Ewald Nowotny habe die früheren Vorstände (also Elsner und Co.) beruhigt. Nowotny habe den Wunsch geäußert, dass alle Bawag-Leute unbeschadet aus der Affäre aussteigen sollen. Doch dann sei alles anders gekommen: Offenbar auf Druck des damaligen SPÖ-Kanzlerkandidaten Alfred Gusenbauer habe sich Nowotny „gedreht“. Brandstetter habe daraufhin nur mehr die Interessen der Bawag vertreten. Außerdem, so Elsner, dürften in der Bawag auch Unterlagen „verschwunden“ sein, die ihn entlasten könnten.
Brandstetter bestätigt nun damalige „Kontakte“ mit Elsner. Dies beweist übrigens auch eine Honorarnote vom 3. April 2006 – darin stellt Brandstetter Elsner „Rechtsberatungsleistungen, Konferenzen, Telefonate sowie Aktenstudium“ in Rechnung, alles erbracht „im ersten Quartal 2006“.
„Allerletzter“ Zeuge am 22. April
Ansonsten betont Brandstetter, dass er stets auf Seiten der Bawag gestanden sei. Die Bawag habe nie Akten verschwinden lassen. Elsner selbst, sei „dafür verantwortlich, dass ganz wesentliche Unterlagen bewusst aus der Bank ausgelagert wurden“. Und Elsners „wilde politischen Verschwörungstheorien“ seien „völlig absurd“.
Fortsetzung heute, Mittwoch. Kommenden Dienstag muss Ex-FPÖ-Vizekanzler Norbert Steger als „allerletzter“ Zeuge aussagen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.04.2008)