Die drittgrößte US-Bank hat die internationale Finanzkrise bisher dennoch mit einem „blauen Auge“ überstanden.
NEW YORK (red./ag). Die US-Großbank JP Morgan Chase steckt die Finanzmarktkrise trotz eines Gewinneinbruchs zum Jahresauftakt besser weg als viele Konkurrenten. Der Überschuss halbierte sich zwar im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr, lag aber immer noch bei 2,37 Mrd. Dollar (1,5 Mrd. Euro). Für faule Kredite mussten aber immerhin 2,6 Mrd. Dollar abgeschrieben werden.
Die Zahlen von JP Morgan waren etwas besser als von Analysten erwartet. Die drittgrößte US-Bank hatte bereits im Schlussquartal 2007 einen Gewinneinbruch um mehr als ein Drittel erlitten, rutschte aber im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern bisher nicht ins Minus. Während die Aktien der US-Großbanken heuer im Schnitt bereits 14 Prozent verloren haben, waren es bei JP Morgan nur vier Prozent.
Bei der Übernahme der Investmentbank Bear Stearns, die im März nur knapp an der Pleite vorbeigeschrammt war, steht JP Morgan knapp vor dem Ziel. Sie hat bereits genug Stimmrechte der Traditionsbank Bear Stearns aufgekauft, um die 1,7 Mrd. Dollar (1,074 Mrd. Euro) schwere Übernahme so gut wie sicher unter Dach und Fach zu bringen.
Merrill Lynch: Noch ein Verlust?
Heute, Donnerstag, legt mit Merrill Lynch eine weitere US-Großbank ihre Zahlen für das erste Quartal 2008 vor. Medienberichten zufolge wird sie weitere sechs bis acht Mrd. Dollar (3,79 Mrd. bis 5,05 Mrd. Euro) abschreiben müssen. Die Belastungen würden bei Merrill Lynch zum dritten Quartalsverlust in Folge führen, berichtete das „Wall Street Journal“ am Mittwoch. Als Konsequenz soll die Bank planen, in einigen von der Krise besonders stark betroffenen Geschäftszweigen etwa zehn bis 15 Prozent der Stellen zu streichen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2008)