Der russische Präsident soll angeblich die Athletin Kabajewa heiraten. Der Bericht könnte eine weitere Denunziation des Staatschefs sein.
Dass Russlands Noch-Präsident Wladimir Putin in der jüngsten Geschichte noch mit keinem Staatschef ein derart enges gegenseitiges Verständnis hatte wie mit dem französischen, hat der russische Politologe Fjodor Lukjanow kürzlich dargelegt. Sarkozy und Putin seien sich mental sehr ähnlich, auf Businessinteressen orientiert, hätten einen Sinn für die traditionelle Idee von der Größe ihrer Länder; hyperaktiv und eingespannt mit der äußeren Erfolgsdemonstration, seien sie nicht belastet mit überflüssigen moralischen Beschränkungen.
Nun will eine russische Zeitung wissen, dass die Gemeinsamkeit auch auf ihr Intimleben zutrifft. Wie das Boulevardblatt „Moskowski Korrespondent“ berichtet, habe sich der 55-jährige Putin von seiner Frau Ljudmila scheiden lassen und plane eine Hochzeit mit der 24-jährigen Alina Kabajewa, die nicht nur als Sportgymnastin und Olympiasiegerin Berühmtheit erlangte, sondern auch als Model und Duma-Abgeordnete der Kremlpartei „Einiges Russland“ agiert. Die Scheidung sei bereits in Putins Pass eingetragen.
Die Zeitung beruft sich auf einen „engen Freund“ des Besitzers einer Veranstaltungsagentur, die die Hochzeit organisieren soll. Gegenüber „Spiegel“ Online dementiert die Agentur die Behauptung, so wie auch Kabajewas Pressesprecher. Der Kreml-Pressedienst verweigerte einen Kommentar.
Anders der Autor des Artikels, Sergej Topol: „Wenn ich eine solche Nachricht unter meinem Familiennamen und nicht unter Pseudonym veröffentliche, dann können Sie davon ausgehen, dass sie zu 75 Prozent stimmt“.
Das verdient insofern Beachtung, als russische Medien sonst äußerst vorsichtig im Lancieren von Meldungen sind, die den glorifizierten Präsidenten, seine etwaigen Finanzinteressen oder gar sein Privatleben betreffen. Wahrheitsbeweis ist dies freilich keiner. Auffällig ist, dass selbst die sensationsgierigeren unter den seriösen russischen Medien die Hochzeitsgerüchte nicht aufgriffen. Trotz der Tatsache, dass die Gerüchte über das Ende von Putins Ehe schon lange kursieren. Kremlnahe Quellen wollen auch wissen, dass man im Kreml darüber nachdachte, wann man mit der Nachricht über eine Trennung an die Öffentlichkeit gehen sollte.
Der jetzige Zeitpunkt des Bericht fällt auffälligerweise mit dem Tag zusammen, als Putin die Führung der Regierungspartei „Einiges Russland“ übernahm. Wenn die Information nicht der Aufklärung im Volk, sondern der Denunziation des Präsidenten dient, so würde sich dies in eine Reihe ähnlicher Aktionen fügen. Gerade in der momentanen Phase der Neuverteilung der Macht zwischen dem künftigen Präsidenten Dmitri Medwedjew und dem neuen Premier Putin tobt der Kampf um Einfluss im intransparenten Machtolymp. Nach außen sichtbar wird er nur in den lancierten Informationssplittern.
So sagte Ende November der Fondsmanger Oleg Schwarzman zur Zeitung „Kommersant“, er verwalte für den Hardliner und Kreml-Vizeadministrationschef Igor Setschin, Aktiva im Milliardenwert. Die Hardline-Fraktion, die Putin dafür hasst, dass er keine dritte Amtszeit angehängt hat, schoss später mit der Meldung, Putin sei der reichste Russe und verfüge über 40 Mrd. Dollar Geheimvermögen. Danach hieß es, Ex-KGB-Kollegen würden für Putin eine Villa im Wert von 58 Millionen Franken in der Schweiz bauen.
Im Sucher Alina Kabajewa S. 39
AUF EINEN BLICK
Am Dienstag berichtete das russische Blatt „Moskowski Korres-pondent“, dass sich Wladimir Putin von seiner Frau Ljudmila Putina (Bild) scheiden ließ und die Turnerin Alina Kabajewa (24) heiraten wolle. [EPA]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2008)