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Autoren über das Semikolon

Arno Geiger

"Ich bin ein entschiedener Befürworter des Semikolons - wie von allen Möglichkeiten der Nuancierung. Die Funktion des Semikolons im Satz ist die der quergestellten Lamelle an der geschlossenen Jalousie; eine gewisse Lichtdurchlässigkeit bleibt gewährleistet. Abschaffen? Niemals! Und das ausgerechnet vonseiten der Franzosen, die ja ein leichtfertiges Volk sein sollen. Zum Beispiel für die Beschreibung eines Seitensprungs, bei dem man vielleicht doch ein bisschen ein schlechtes Gewissen hat, bräuchte man das Semikolon ganz unbedingt."


Juli Zeh


"Wie soll denn der Smiley ein Auge zukneifen, wenn es kein Semikolon mehr gibt? ;-) Das Semikolon ist das Zeichen der Unentschiedenen, der Zauderer, der Grenzgänger, der Wanderer zwischen den Welten. Wir brauchen es."


Elfriede Jelinek

"Für mich ist es undenkbar, auf das Semikolon zu verzichten (allerdings würde ich es, selbst wenn es abgeschafft würde, weiter benutzen. Ich halte mich ja auch nicht an die neue Rechtschreibung). Gerade bei meiner Schreibweise, die zum großen Teil aus Tiraden besteht, aus Paronomanien, wenn man so will, manischen sich um sich selbst drehenden Sprachspielen, für die ich lange Satzketten und sehr viele Nebensätze und Einschübe brauche, ist der Strichpunkt sehr wichtig. Ich scheue mich geradezu vor dem Punkt und dem Neuanfang eines Satzes. Mit dem Strichpunkt aber kann ich in meinen auf Lautlichkeit beruhenden Tiraden eine gewisse Ordnung schaffen, ohne den Bruch des Punktes, der mir oft wie eine Verletzung erscheint, machen zu müssen."


Franzobel

"Das Semikolon, der Beistrichpunkt ist wie ein Hermaphrodit unter den Satzzeichen, etwas Strich, etwas Punkt, ein in die Tiefe gerutschtes i. Und auch wenn ich es selten benütze, bin ich doch froh, dass es existiert. Abschaffen? Bitte nicht - schon beim Augenzwinkern des SMS-Smileys ist es notwendig."


Feridun Zaimoglu

"Jetzt will man meinem schönen Semikolon an den Kragen, das verurteile ich aufs Schärfste. Gerade dieses Zeichen kommt in meinem neuen Roman häufig vor. Ein Punkt ist ja ein ausschließendes, ein Komma ein zu offensichtliches Zeichen. Das Semikolon aber ist gewissermaßen der Code des Subtilen. Es ist ein hochvisuelles Zeichen, Punkt und Komma übereinander, ein sehr seltsames Zeichen, ein doppelter Vorstopper. Man hält inne, ohne aber Luft zu holen wie bei einem Punkt. Das gefällt mir. Ich verwende es automatisch, aber ich glaube, das kommt daher, dass dieses Zeichen unmittelbar ansetzt an der Kunst, Geschichten zu erzählen."


Lutz Seiler


"Das Semikolon: unverzichtbare Geste des Innehaltens, Pause mit Bedeutung, auch musikalisch, Kopplungsmöglichkeit zwischen schweren und leichten Sequenzen, syntaktisches Gelenk, sauber einsetzbar. Das Semikolon: eine der wenigen Möglichkeiten, mittels Zeichensetzung Atemführung und Rhetorik eines Textes zu umreißen."