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„Amadeus interessiert nur wenige“

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Clara Luzia mag das Landleben und Tristesse mit Twist. Und sie ist für den Amadeus nominiert. Was ihr das bringt? „Wahrscheinlich nichts.“

Ist ein österreichischer Musikpreis für alle – von Schlager über Retorten-bis Indie-Pop – sinnvoll? Rutscht eine solche Veranstaltung, wenn sie vom ORF zu Puls4 wechselt, trotz Pomp endgültig unter die Wahrnehmungsgrenze? Und wie darf man sich die Amadeus-Party im „Hollywood Megaplex“ heute, Freitag, vorstellen: Wer tanzt mit wem und vor allem zu welcher Musik?

Fragen, über die man auch im sechsten Amadeus-Jahr grübeln darf. Und Fragen, auf die man von Nominierten kaum eine ehrliche Antwort erhält. Jene von Clara Luzia, eigentlich Clara Luzia Maria Humpel,klingt aber zumindest aufrichtig: „Ich glaube, abgesehen von den Betroffenen, interessiert der Amadeus wenige, und das zu Recht.“ Clara Luzia und ihre Band zählen zu jenen fünf „Alternative Acts“, die die Hörer des Radiosenders FM4 für den so genannten Ösi-Grammy nominieren durften. Und wiewohl sie sich „natürlich über das Voting gefreut“ hat, ist die Sängerin/Texterin auch ein wenig ratlos: Darüber, welche ihre Rolle bei einem Fest ist, auf dem sich „die Major-Label-Bosse auf die Schultern klopfen“. Und darüber, welche Folgen ein Preis für sie hätte: „Wahrscheinlich keine.“ Luzia drückt eine Zigarette aus der Stopfmaschine und bläst Rauchwolken zum Fenster hinaus: „Ich hoffe jedenfalls nicht, dass die Clubs uns dann weniger buchen, weil die glauben, dass wir plötzlich teuer sind.“

Wobei mehr Geld nicht schaden würde. Denn weder die 30-Jährige noch der Rest der Band kann von der Musik leben. Dabei steht Luzia (im Brotberuf bei der Austria Presseagentur) ihr halbes Leben auf der Bühne. Zuerst im niederösterreichischen Oberretzbach mit der Schwester (jetzt bei „Son of the Velvet Rat“), dann mit der Band „Alalie Lilt“. Seit 2005, zu sechst, als „Clara Luzia“. Die Art der Musik ist im Kern gleich geblieben und wird unter „Singer/Songwriter-Indiepop-Folk“ subsumiert, was übersetzt heißt: eher leise als laut, eher zart als hart, eher traurig als lustig.

I find comfort in sorrow, I find pleasure in joy and I find it so hard to pick one of the two“, heißt es da auf der zweiten Platte „The long Memory“ und tatsächlich hat Luzia am liebsten beides im selben Song. Weil: „Ich will kein Jammerlappen mit Gitarre sein.“ Warum trotzdem meist Moll-Akkorde kommen? Das weiß sie selbst nicht so genau, nur dass ihr Fröhliches „zu platt“ gerät.

Mit einer tristen Dorfkindheit hat das nichts zu tun. Im Gegenteil: Die Wienerin sehnt sich zurück aufs Land. Stadt-Existenz, Stadt-Flucht werden auch das Thema des neuen, weniger leisen, weniger zarten Albums nächstes Jahr sein. Am meisten vermisst die Sängerin in Wien übrigens: Katzen. Oder Tiere überhaupt. Als Substitute dienen ihr derweil Tattoos (eine Katze und ein Vogel am Arm), das eigene Plattenlabel (Asinella: Eselchen) und Spitznamen im Freundeskreis: Ferkelchen, Pferdchen usw. Wobei: „Bierchen“ hätte sich auch angeboten. Immerhin hat Luzia dem Bier mit „Homedrinking“ eine Hymne geschrieben. Was als mutig zählen darf, wenn der eigene Vater Winzer ist.

Apropos Mut: Den hat die Ex-Studentin der Politikwissenschaften früher von Musikerkollegen eingefordert, wenn ein Statement gefragt war. Inzwischen ist sie selbst vorsichtig, denn: „Vieles wird verkürzt rezipiert.“ Sollte sie gewinnen, wird sie ihre Rede deshalb kurz halten. „Ich glaube, ich sage bloß Danke.“
Supermax. . . Seite 35

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2008)