Machtkampf um Verbund-Spitze hat begonnen

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Österreichs größter Stromproduzent sucht offiziell nach einer neuen Führungs-Mannschaft. In der ÖVP braut sich derweil ein Machtkampf zwischen Ex-Kanzler Schüssel und Minister Bartenstein zusammen.

Wien. Jetzt wird es spannend: Der Verbund-Konzern, Österreichs größter Stromerzeuger, sucht seit heute, Freitag, zwei neue Vorstandsmitglieder. In der nun erfolgten Ausschreibung werden per 1. Jänner 2009 sowohl ein Vorstandsvorsitzender als auch ein Stellvertreter gesucht. Interessenten haben einen Monat Zeit, sich zu bewerben.

Damit bekommt das Rätselraten um die Zukunft des börsenotierten, mehrheitlich staatlichen Konzerns eine offizielle Note. Inoffiziell wird ja schon seit Monaten über Verbund-Personalia spekuliert. Das liegt daran, dass der Vertrag von Verbund-Chef Michael Pistauer Ende des Jahres ausläuft – und er dann auch seinen 65. Geburtstag feiert.

ÖVP sucht „stabile Lösung“

Während der Vertrag seines Stellvertreters, Hannes Sereinig, wohl verlängert wird, ist die Causa Pistauer etwas diffiziler: Er würde zwar gerne weiterhin den Job machen, allerdings nicht für die gesamten fünf Jahre. Ein Zwei-Jahresvertrag wäre ihm am liebsten, um die Neuausrichtung des Konzerns abzuschließen. Allerdings wird das kaum möglich sein: Die ÖVP, die über Wirtschaftsminister Martin Bartenstein für den Verbund zuständig ist, möchte auf Nummer sicher gehen und eine Person ihres Vertrauens für fünf Jahre bestellen. Man kann ja nie wissen, wie die nächsten Nationalratswahlen ausgehen.

Bei konkret in Frage kommenden Personen gibt es allerdings keine einheitliche ÖVP-Linie: Klubobmann Wolfgang Schüssel setzt sich hinter den Kulissen massiv dafür ein, dass Ulrike Baumgartner-Gabitzer Verbund-Chefin wird. Sie war einst seine Kabinettschefin, ehe sie Generalsekretärin des Verbandes der E-Wirtschaft wurde. Seit Oktober 2006 sitzt sie im Verbund-Vorstand. Im Konzern wird ihr zwar die Führung des Unternehmens nicht zugetraut, allerdings soll sie mit ÖVP-Obmann Wilhelm Molterer einen weiteren gewichtigen Fürsprecher in der Partei haben.

Bartenstein soll hingegen von der Variante Baumgartner-Gabitzer weniger angetan sein. Zumal die 50-Jährige nach wie vor stellvertretende Partei-Chefin der ÖVP Wien ist – und Bartenstein alles daran setzt, allzu auffällige Verbindungen zwischen Politik und Verbund zu verhindern. Und eine Kür von Baumgartner-Gabitzer zur Verbund-Chefin in der Branche Verwunderung auslösen würde. Der Wirtschaftsminister setzt daher auf externe Bewerbungen. Echte Fachleute aus der E-Wirtschaft also.

Doch die gibt es nicht in Hülle und Fülle. Die Namen, die in der Gerüchteküche gereicht werden, fallen denn auch – mengenmäßig – unter „Häppchen“: Wolfgang Anzengruber wird genannt, der Vorstand des Kranherstellers Palfinger war einst bei den Salzburger Stadtwerken. Oder Leopold Windtner, Chef der oberösterreichischen Energie AG. Seine Erfahrungen mit dem Aktienmarkt sind allerdings flüchtig: Der Börsegang der Energie AG wurde ja unlängst abgeblasen. Post-Vorstand Herbert Götz hingegen, der den Job liebend gerne machen würde, darf nicht: Angeblich ist er für Molterer in der Post unverzichtbar.

Frizberg als Retter in der Not?

Verbund-Insider halten daher auch folgendes Szenario für denkbar: Die Zahl externer Bewerbungen hält sich in engen Grenzen, womit Bartenstein zu seiner Lieblings-Variante käme: Gilbert Frizberg, Aufsichtsratspräsident im Verbund und enger Freund Bartensteins, springt als „Retter in der Not“ ein. Frizberg hat zwar unlängst dementiert, dass er Verbund-Chef wird. Interessant war dabei aber seine Formulierung: Er werde sich „nicht bewerben“, sagte Frizberg. Das muss er auch nicht. Es reicht schließlich, vom Eigentümer gebeten zu werden.

AUF EINEN BLICK

Der Verbund, Österreichs größter Stromkonzern, sucht einen neuen Vorstandsvorsitzenden. Der jetzige Verbund-Chef, Michael Pistauer, stünde zwar für weitere zwei Jahre zur Verfügung. Die ÖVP sucht jedoch eine Langfrist-Variante. Als Kandidatin gilt Schüssel-Vertraute Ulrike Baumgartner-Gabitzer. Wirtschaftsminister Bartenstein setzt auf unpolitische Bewerber.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2008)

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