Gazprom: "South Stream kein Konkurrent zu OMV-Nabucco"

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Die russischen Projekte South und North Stream würden nur einen Teil des Gasbedarf in Europa abdecken, sagt Gazprom-Vizechef Medwedew. Die OMV-Pipeline Nabucco sei daher kein Konkurrent.

Die OMV und der russische Gasmonpolist Gazprom wollen den Erdgasknoten Baumgarten, über den schon jetzt rund ein Drittel der russischen Gasexporte nach Westeuropa abgewickelt werden, weiter stärken. "Wir sind sehr daran interessiert, dass ein Teil des South-Stream-Gasstromes auch über Baumgarten gelenkt wird", sagte OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer am Donnerstag im Vorfeld einer Jubiläumsgala in Wien, bei der die beiden Unternehmen den Abschluss ihres ersten Gas-Liefervertrages vor 40 Jahren feiern.

Auch Gazprom-Vizechef Alexander Medwedew zeigte sich an einer weiteren Aufwertung von Baumgarten (in Niederösterreich an der slowakisch-österreichischen Grenze) interessiert. Zur Diskussion der vergangenen Tage, ob das Pipeline-Projekt "South Stream", das die Russen gemeinsam mit dem italienischen Energieversorger ENI vorantreiben, statt über Österreich gleich durch Slowenien nach Italien führen wird, fand Medwedew beschwichtigende Worte: "Das sind verschiedene Dinge. Der Verlauf durch Slowenien widerspricht nicht dem Ausbau von Baumgarten als Gas-Hub."

Gazprom: South Stream kein Nabucco-Konkurrent

Das erste Gas soll durch die russisch-italienische Pipeline "South Stream" im Jahr 2014 nach Europa strömen. Eine mögliche Investitionsbeteiligung der OMV an dem Projekt schloss OMV-Chef Ruttenstorfer am Donnerstag nicht aus - für eine Entscheidung darüber sei es aber noch viel zu früh, derzeit stehe noch nicht einmal die Trassenführung fest, wollte sich Ruttenstorfer nicht festlegen.

Medwedew sieht in den geplanten Gazprom-Pipelines South Stream und Nord Stream (die im 1. Quartal 2011 in Betrieb gehen soll) keine Konkurrenzprojekte zur geplanten OMV-Pipeline "Nabucco". Laut Schätzungen von Energieexperten wird der Gasverbrauch in Europa von derzeit rund 500 Mrd. Kubikmetern jährlich in den nächsten Jahren auf fast 800 Mrd. Kubikmeter steigen. Nor Stream (Kapazität: 55 Mrd. m3), South Stream und Nabucco (je 30 Mrd. m3) würden gemeinsam ohnehin nur einen Teil dieses Mehrbedarfs abdecken.

40 Jahre Zusammenarbeit OMV-Gazprom

Die OMV und Gazprom feiern heuer ihre bereits 40-jährige Zusammenarbeit. Am 1. Juni 1968 unterzeichnete Österreich als erstes westeuropäisches Land mit der damaligen Sojuz Gasexport einen Vertrag über Erdgaslieferungen. Seither hat Österreich 150 Mrd. m3 russisches Erdgas importiert, zwei Drittel des in Österreich verbrauchten Erdgases kommen aus Sibirien. Darüber hinaus wurden in den letzten vier Jahrzehnten über Österreich 600 Mrd. m3 russisches Gas nach Westeuropa geleitet.

Im Herbst 2006 wurde der Vertrag bis 2027 verlängert - die nächsten 150 Mrd. m3 werde man in nur 20 Jahren importieren, sagte OMV-Chef Ruttenstorfer.

Gazprom größtes Gasunternehmen weltweit

Gazprom ist das größte Gasunternehmen der Welt und gehört mehrheitlich dem russischen Staat. Das börsenotierte Unternehmen ist heute knapp 202 Mrd. Euro wert. Die Gazprom-Gruppe verfügt über die größten Erdgasreserven der Welt, mit einem Anteil von 17 Prozent an den weltweiten Gasressourcen und etwa 60 Prozent an den Weltreserven. Die gesamten Gasreserven der Gruppe werden auf rund 29.850 Mrd. m3 geschätzt.

Die OMV ist mit einem Konzernumsatz von 20,04 Mrd. Euro und einem Mitarbeiterstand von 33.665 sowie einer Marktkapitalisierung von rund 14 Mrd. Euro das größte börsenotierte Industrieunternehmen Österreichs. (Ag.)

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