Arcimboldo/Glenn Brown: Let me entertain you!

KHM. Arcimboldo/Glenn Brown – zwei Maler, die über die Jahrhunderte ein Ziel haben: ihre Kunden zu unterhalten.

Er ist einer der Stars des Kunstmarkts – und war, wie viele der anderen, am Wiener „Hof“ bisher noch nicht vorstellig. Dafür feiert der 1966 geborene britische Maler Glenn Brown ab morgen, Dienstag, gleich ein imperiales Debüt, nämlich im Bassano-Saal des KHM. Was allerdings nicht unwesentlich mit der Arcimboldo-Schau darunter und der Kombinationsgabe der jungen Kuratorin Katarzyna Uszynska zusammenhängt. Ihr Brückenschlag über die Jahrhunderte gelingt allerdings um vieles subtiler als der mit dem Arcimboldo ebenfalls beigestellten zeitgenössischen Bastlerkünstler Bernard Pras, dessen trickreiche fotografische „Kompositporträts“ vor allem beweisen, dass eine historische Leistung heute allein durch Affirmation und neuere technische Mittel immer noch ausgeschlachtet werden kann.

Die Gegenüberstellung mit Glenn Brown aber regt zur Überlegung an, wie ein Hofmaler heute arbeiten würde, um seine Auftraggeber zu unterhalten: ebenfalls mit der Groteske, ebenfalls mit dem reizvollen Doppel aus Schönheit und Verfall. Wie Arcimboldo arbeitet der von US-Galeristen-Kaiser Larry Gagosian vertretene Glenn Brown mit der Verfremdung, dem Wechsel von Fern- und Detailsicht. Seine Pinselstriche etwa wirken extrem dick, pastos aufgetragen – und sind in Wirklichkeit aalglatt. In ihren bunten, die abgebildeten Äpfel, Füße oder Gesichter wurmartig zersetzenden Strudeln entdeckt man dann noch weitere Gesichter, Körper, Umrisse.

Für ein zusätzliches, mehr intellektuelles Ratespiel sorgen noch die kryptischen Titel, die von einschlägigen Filmtiteln wie „Deep Throat“ bis zu Verweisen auf etwaige kunsthistorische Inspirationsquellen wie Holbeins Christina von Dänemark reichen. Entertainment heißt und hieß die Devise in dieser Kunstsparte. Also Glenn Brown oder Arcimboldo – ein Schalk, kein Narr.

Bis 1.6., Di.–So. 10–18h, Do. 10–21h

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2008)


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