Die Wirtschaft in der Eurozone ist in besserer Verfassung als die der USA, sagt OeNB-Chef Liebscher. Österreich erreichte 2007 ein Rekordplus von 8,8 Mrd. Euro im Aussenhandel.
Die Wirtschaft der Eurozone ist nach Ansicht von Klaus Liebscher, Gouverneur der Österreichischen Nationalbank (OeNB), in besserer Verfassung als die der USA. Es gebe keinen Grund für zu großen Pessimismus für das Wachstum, sagte Liebscher am Montag in Wien bei der Präsentation der Zahlungsbilanz 2007. "Wir sind weit entfernt in Tristesse zu verfallen (bezüglich des Wachstums; Anm.)", sagte Liebscher laut Nachrichtenagentur Reuters. Liebscher verwies allerdings auch auf Abwärtsrisiken, die von der Finanzmarktkrise stammten. Aussenhandel: Rekordplus von 8,8 Mrd. Euro
Österreich hat seinen Leistungsbilanzüberschuss sowie seine Position als Nettokapitalexporteur deutlich ausgebaut. Wie die heute, Montag, präsentierte Zahlungsbilanz für das Jahr 2007 zeigt, weist die Leistungsbilanz einen Rekordüberschuss von 8,8 Mrd. Euro oder 3,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus.
Entscheidend für die Steigerung des Überschusses um 2,5 Mrd. Euro war der Handel mit Gütern und Dienstleistungen.
Österreich profitiert von EU-Erweiterung
"Die Entwicklung der österreichischen Außenwirtschaft steht weiterhin mit dem erfolgreichen Prozess der Europäischen Integration in Zusammenhang", erläuterte Gouverneur Liebscher die Daten zur Zahlungsbilanz. Bereits zwei Drittel des heimischen Finanzvermögens entfallen auf den Euroraum, der umgekehrt auch mit Abstand der wichtigste Financier der österreichischen Volkswirtschaft ist. Österreich habe in besonders hohem Ausmaß von den jüngsten EU-Erweiterungsrunden der Jahre 2004 und 2007 profitiert.
Den größten Beitrag zum positiven Leistungsbilanzergebnis, nämlich 12,3 Mrd. Euro, brachte erneut der Handel mit Dienstleistungen, wobei aus dem Tourismus 6,1 Mrd. Euro stammten. Trotz der Aufwertung des Euro zeigte die traditionell negative Güterbilanz einen Überschuss von 1,3 Mrd. Euro, erläuterte OeNB-Direktor Peter Zöllner die Daten.
Vermögenseinkommen defizitär
Defizitär wie immer war die Bilanz der Vermögenseinkommen, was der negativen Vermögensposition Österreichs entspricht. Nach vorläufigen Schätzungen sind die Verpflichtungen der österreichischen Volkswirtschaft gegenüber dem Ausland um etwa 50 Mrd. Euro höher als das entsprechende Auslandsvermögen. Heimische Investoren kassierten 2007 mehr als 26 Mrd. Euro an Vermögenseinkünften, während die Bedienung der "Auslandsschuld" rund 30 Mrd. Euro kostete. Daraus resultiert ein Nettoabfluss von 4 Mrd. Euro.
Mit mehr als 20 Mrd. Euro an Neuinvestitionen erreichten aktive wie passive Direktinvestitionen 2007 ein Rekordvolumen, nicht zuletzt wegen der Restrukturierung des Unicredit-Konzerns, wobei das Eigentum an der Bank Austria von Deutschland nach Italien wanderte und die Bank Austria die Verantwortung für die meisten Ostaktivitäten übertragen bekam. Doch auch wenn man diese Großtransaktion außer Acht lässt, waren die Direktinvestitionen lebhaft, so die OeNB. (Ag.)