Die Forschungsausgaben wachsen auf 2,63 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das Drei-Prozent-Ziel ist außer Reichweite.
WIEN. Der heimische Forschungssektor wächst weiter – und zwar stärker als von vielen erwartet: Laut Statistik Austria werden die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) heuer um 8,1 Prozent auf 7,51 Mrd. Euro steigen. Das entspricht einer Forschungsquote von 2,63 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP).
Der Zuwachs der F&E-Ausgaben ist heuer in absoluten Werten gleich groß wie im Jahr zuvor. Da sich das Wirtschaftswachstum heuer einbremst, steigt die Forschungsquote aber deutlich stärker als in den Jahren zuvor: 2006 lag die Quote bei 2,49 Prozent, 2007 bei 2,55 Prozent.
Hauptgrund für die Zuwächse sind stark steigende Forschungsaufwendungen in der Wirtschaft. Diese werden heuer, so erwarten die Statistiker, um 10,2 Prozent auf 3,65 Mrd. Euro zulegen. „Die Dynamik liegt vor allem bei den großen Industriebetrieben“, erläutert Gerhard Wallner, Experte der Statistik Austria. Die größten zehn Unternehmen Österreichs sind für 43 Prozent der Firmen-Forschungsausgaben verantwortlich. Insgesamt gibt es hierzulande gut 2000 forschende Unternehmen.
Nicht ganz so stark, nämlich um 8,9 Prozent auf 2,22 Mrd. Euro, legen heuer auch die Forschungsausgaben des Bundes zu. Unterm Strich steigt damit der Anteil der Unternehmen an der Forschungsquote – was politisch erwünscht ist. „Der Appell an den Innovationsgeist der Unternehmen in Österreich zeigt Wirkung“, kommentierte Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl die Daten.
Österreich ist mit dem starken Zuwachs bei den Forschungsausgaben in der EU eher die Ausnahme. 1995 lag Österreich mit einer Forschungsquote von 1,54 Prozent noch unter dem EU-Durchschnitt. Seither geht es steil bergauf. Die gesamteuropäische Forschungsquote lag 2006 – die jüngste verfügbare Vergleichszahl – bei 1,84 Prozent. Das Drei-Prozent-Ziel der EU für das Jahr 2010 ist illusorisch, weil die die Quote in europäischen Schwergewichten wie Frankreich oder Deutschland kaum zulegt.
Weiteres Wachstum nötig
Auch Österreich wird das Drei-Prozent-Ziele im Jahr 2010 wohl verfehlen – dafür wären in den nächsten Jahren zweistellige Zuwachsraten nötig. Experten sehen das aber nicht allzu tragisch: „Die drei Prozent sind ein politisches Ziel, das sehr wichtig ist und war, um das zu erreichen, wo wir heute stehen“, sagt Ludovit Garzik, Geschäftsführer des Forschungsrates. Und weiter: „Wann genau wir die drei Prozent erreichen, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass wir wissen, dass die Forschungsquote auch danach weiter steigen muss.“ Ansonsten ist die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs in Gefahr.
AUF EINEN BLICK
Die Forschungsausgaben steigen heuer um 8,1 Prozent auf 7,51 Mrd. Euro. Die Unternehmen geben um 10,2 Prozent mehr aus, der Bund um 8,9 Prozent. Der Beitrag der Bundesländer und aus dem Ausland wächst kaum.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.04.2008)