Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Böse Wahl: Wärme oder Ozonloch

(c) Bilderbox
  • Drucken

Die Kühlung der Erde durch Abdunkelung wäre riskant. Schützendes Ozon kann ausgedünnt werden, wenn tiefe Kälte und bestimmte Chemikalien zusammenkommen, Chlor etwa.

Ist die Erwärmung nur noch mit drastischen Mitteln zu bremsen? Etwa mit einer „Sonnencreme für den Planeten Erde“? Mit der Idee preschte 1997 Edward Teller vor, der in jüngeren Jahren die Wasserstoffbombe erfand und mit einer anderen Großtechnik die Sonneneinstrahlung vermindern wollte, mit kleinen Reflektoren hoch in der Atmosphäre. Ähnliche Pläne zum „Geo-Engineering“ – dem Umbau der gesamten Erde –, gab es viele, sie wurden belächelt, bis sich 2006 Atmosphärenchemiker Paul Crutzen zu Wort meldete, er entdeckte das Ozonloch und erhielt dafür den Nobelpreis.

Nun schlug er vor, die Erde durch simulierte Vulkanausbrüche abzuschatten: Ballons sollen Sulfataerosole hoch in die Atmosphäre bringen (Climate Change, 77, S.211). „Das brächte das Risiko eines Ozonverlusts“, warnt nun wieder ein Atmosphärenchemiker, Rolf Müller (Forschungszentrum Jülich), er hat sein Handwerk just bei Crutzen gelernt. Bei dem angesprochenen Ozon geht es um das „gute“, das hoch oben in der Atmosphäre, das uns vor UV-Strahlung schützt. Es kann ausgedünnt werden, wenn tiefe Kälte und bestimmte Chemikalien zusammenkommen, Chlor etwa. So entstand das Ozonloch über der Antarktis: Chlor aus Treibgasen zerstörte Ozon. Als man das gelernt hatte, wurden Treibgase – FCKWs vor allem – verboten.


Starke Ausdünnung des UV-Schutzes

Deshalb schließt sich das Loch über der Antarktis wieder. Crutzens Sulfataerosole brächten neue Gefahr, anderswo, über der Arktis. Dort gab es früher auch Ozonausdünnungen, aber keine Löcher. Wenn es sie gäbe, wäre es fatal: Um die Antarktis herum ist wenig Leben, dort kann UV nicht viel zerstören. Aber ein Loch über der Arktis würde die ganze Nordhalbkugel gefährden. Exakt das droht, in jüngster Zeit hat die Forschung es bemerkt: „Der Einfluss der Sulfat-Aerosole auf Ozon ist größer als früher vermutet“, erklärt Müller der „Presse“. Denn an diesen Aerosolen kann sich Chlor gut anlagern: Bei der Realisierung von Crutzens Plan würde, je nach Größe der Aerosole, ein Drittel bis zur Hälfte des Ozons über der Arktis zerstört (Science, 24.4.).

„Crutzen hat seinen Vorschlag ja eher als Denkanregung gemeint“, schließt der Forscher, „und wir schätzen jetzt als Forscher die Folgen ab. Aber irgendwann wird politisch zwischen den Folgen der Klimaerwärmung und denen des Ozonverlusts abgewogen werden müssen.“ jl

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2008)